Deutsch-Israelischer Freundeskreis Ingelheim e.V.
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 Verlegung von Stolpersteinen siehe unter "Veranstaltungen" und "Stolpersteine"

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Straßenbenennung:

 

Sample Image Der Lehrer Ludwig Langstädter


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Der Grabstein von Mathilde Langstädter, geb. Stern, der ersten Frau von Ludwig Langstädter auf dem Friedhof in der Hugo-Loersch-Straße.

Fotodesign: Michael Schlotterbeck.



Der Stadtrat beschloss in seiner Sitzung vom 8. März 2010, die Erschließungsstraße ab Starenweg bis Kreisel im Bereich der neu zu bauenden Realschule plus, der Turnhalle der TG Nieder-Ingelheim und dem neuen Haus der Jugend in „Ludwig-Langstädter-Straße" zu benennen.

Louis (Ludwig) Langstädter war von 1908 bis 1933 Lehrer an der Volksschule in Ober-Ingelheim. Er erteilte den jüdischen Kindern an der Volksschule und der Höheren Bürgerschule, dem Vorgänger des Sebastian-Münster-Gymnasiums, Religionsunterricht.

Er wurde am 6. April 1879 in Memmelsdorf bei Bamberg geboren. Er kam ca. 1908 als Volksschullehrer nach Ober-Ingelheim. Er hatte offensichtlich die Stelle des Lehrers Krämer übernommen, der im März 1908 Ober-Ingelheim verlassen hatte.

 

Vom 2. August 1914 bis Ende 1918 war er Soldat im 1. Weltkrieg.

In erster Ehe war er mit Mathilde Stern aus Schwanfeld bei Würzburg verheiratet. Sie starb am 13. Februar 1929 in Ober-Ingelheim und wurde auf dem Friedhof in der Hugo-Loersch-Straße beerdigt. Der Grabstein steht dort bis heute.

In zweiter Ehe heiratete Langstädter am 6. November 1930 Elisabetha (Betty) Kahn, geboren am 14. Mai 1895 in Ober-Ingelheim. Ihr Elternhaus stand im Neuweg 1. Sie war das zweite von vier Kindern des Viehhändlers Salomon Kahn und seiner Frau Rieke, geb. Fränkel.


Ein wichtiges Mitglied der jüdischen Gemeinde


Synagoge

Die Ingelheimer Synagoge 1930  Quelle: Ausschnitt aus Luftbild Nr. 10198 Ober-Ingelheim, Strähle Luftbild

Langstädter war eine wichtige Person für das Leben der jüdischen Gemeinde in Ingelheim. Er war Kantor in der Ober-Ingelheimer Synagoge und wohnte im Vorderhaus in der Stiegelgasse 25. Er sang dort während der Gottesdienste die Gebete vor. Mehrfach wird es aber als Rabbiner bezeichnet. Dies deutet auf seine herausragende Stellung hin.  Da es in Ingelheim keinen Rabbiner gab, nahm er viele seiner Funktionen wahr. Er leitete auch den Synagogenchor "Harmonie".


Es ist überliefert, dass er auch predigte. Die Ingelheimer Zeitung berichtete am 31. Oktober 1932: "Der jüdische Frauenverein feierte sein hundertjähriges Bestehen. In der festlich geschmückten Synagoge fand ein Festgottesdienst statt, in dem Lehrer Langstädter die Predigt hielt. Der 1. Vorsitzende der Gemeinde, Ferdinand Oppenheimer, konnte neben zahlreichen Ehrengästen auch Bürgermeister Dr. Rückert begrüßen. Der Frauenverein hat einen Vorhang für die heilige Bundeslade (der Toraschrein, Anmerkung d. A.) gestiftet."

Langstädter war Mitglied im Hilfsverein der deutschen Juden. Dieser Verein durfte sich ab 1935 nur noch „Hilfsverein der Juden in Deutschland“ nennen. Der Verein kümmerte sich um notleidende Juden in Osteuropa und im Nahen Osten.


Ein engagierter Bürger

Ludwig Langstädter war zwar nicht in einer Partei organisiert, unterzeichnete aber als Nr. 24 anlässlich der Gemeinderatswahl am 17.11.1929 die Vorschlagsliste der Deutschen Demokratischen Partei (DDP). Für die aufkommenden Nationalsozialisten war er ein zweifacher Feind - Jude und Demokrat.


Langstädter engagierte sich auch in einem nichtjüdischen Ingelheimer Verein. Er war der letzte Dirigent des Arbeitergesangvereins Ober-Ingelheim bis zu seiner Auflösung 1933.


Das Ende eines geachteten Lehrers

Die Zeitzeugenaussage eines Schülers, des Apothekers Karl Zerban, schildert Langstädter folgendermaßen: "Langstädter war mein Klassenlehrer. Er ... war ein normaler Lehrer. Langstädter war ein sehr ruhiger, in sich gekehrter Mensch. Er hat so schon nicht viel gelacht, aber nachher hatte er ja gar nichts mehr zu lachen. Er wurde schwer misshandelt, auch seelisch. Die mussten mit der Schippe 'rummarschieren und wurden dann später abtransportiert" (Meyer 1998, S. 373).

Heinrich Herbert schreibt im Ingelheimer Lesebuch: "Ludwig Langstädter stand als Volksschullehrer und als Rabbiner (er war Kantor, nicht Rabbiner) in seiner Gemeinde in hohem Ansehen. Auch im damals fast ausschließlich der NSDAP angehörenden Lehrerkollegium hatte er bis zuletzt unangefochten seinen festen Platz. Und ich erinnere mich noch gut an diese Worte unseres Klassenlehrers und SA-Führers: 'Der Herr Langstädter ist als Lehrer ausgeschieden. Wenn ihr ihm begegnet, zieht die Mütze und sagt "guten Tag' und nicht "HH", zu ihm.' Eine Reihe guter Jahre durfte Herr Langstädter bis dahin in Ober-Ingelheim haben. Ich erinnere mich noch gut an sein zufriedenes Gesicht, wenn er an den Sabbaten nach dem Gottesdienst vor der Synagoge seine Gemeinde-Mitglieder verabschiedete. Die Stiegelgasse war dann belebt mit ausschließlich schwarz gekleideten Juden. Die meisten Männer trugen runde, steife Hüte. An Feiertagen sah man hingegen fast nur Zylinder" (1992, S.112).

Langstädter wurde laut Bericht der Ingelheimer Zeitung vom 11. März 1933 bereits Anfang März an der Ausübung seiner Lehrertätigkeit behindert und im Zuge des "Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" vom 7. April 1933 am 11. Mai 1933 im Jahr seines 25-Jährigens Dienstjubiläums des Dienstes enthoben. Dieses Gesetz wurde erlassen, um jüdische Beamte aus dem Dienst zu entfernen.

 

Dr. Jakob Bergmann, der von 1933 bis 1936 als Kaplan in der katholischen Pfarrgemeinde Ober-Ingelheim tätig war, berichtet im Juli 1935 in einer Chronik, die im Dom- und Diözesanarchiv in Mainz aufbewahrt wird, über eine Begegnung mit Langstädter: "Ich kehre von den Ferien nach Ingelheim zurück. Aus dem Bahnhof kommt auch der Jude und Rabbiner-Vertreter Langstädter. Ich gehe mit ihm zusammen und wir unterhalten uns. Da stellt sich kurz vor Ober-Ingelheim einer vor uns hin und photographiert uns. Im „Stürmer“ August (19)35, Nr.34 kam dann unser Bild mit der Überschrift: „Rabbiner und Kaplan! Nachkommen der Christusmörder und Verkünder des Evangeliums in gleicher Front“ (Ich hab das Bild!!). Darunter: „Auf dem Bilde sehen wir den Rabbiner der Ingelheimer Judengemeinde Langstädter mit dem Ober-Ingelheimer Kaplan Bergmann auf dem Heimweg vom Bahnhof Ingelheim. In Ingelheim macht man sich seine Gedanken darüber: der Prediger der Nachkommen der Christusmörder in Begleitung eines Priesters, der das Evangelium predigt. Der Herr Kaplan predigt aber auch den Hass gegen das neue Reich und so passen sie zusammen. Der Rabbiner und der Kaplan.“

 

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Dieses Foto von Ludwig Langstädter und Kaplan Dr. Jakob Bergmann wurde 1935 im "Stürmer" abgedruckt. Es ist die einzige erhaltene Aufnahme des Ingelheimer jüdischen Lehrers.

Langstädter und Bergmann hatten den gleichen Heimweg vom Bahnhof aus nach Ober-Ingelheim. Sie werden aus dem gleichen Zug ausgestiegen und die Bahnhofstraße nach Ober-Ingelheim hinauf gelaufen sein. Wahrscheinlich ergab sich diese Begegnung zufällig und Bergmann sah es als einen Akt der Höflichkeit an, zusammen den Heimweg anzutreten. Ein Fotograf verdiente mit dem Foto sein Geld und der "Stürmer" bediente sich für seine Propaganda mittelalterlicher antijüdischer Elemente, die damals in weiten Kreisen der Bevölkerung verbreitet waren, um den Juden und den Katholiken zu verunglimpfen. Bergmann fährt fort, dass er wegen seines Verhaltens von der Polizei vorgeladen wurde. Wie aus seinen  Aufzeichnungen hervorgeht, scheute er sich auch weiterhin nicht, den Kontakt zu Langstädter zu halten. Der Zeitungsartikel aus dem Stürmer hing lange rot umrandet im Schaukasten der NSDAP. Im August 1935 schrieb Bergmann, dass "Helden der Bewegung" den schon älteren Herrn Langstädter blutig geschlagen hatten. Daraufhin hatte er ihm einen Besuch abgestattet und ihm seine Teilnahme bezeugt und ihm gesagt, dass er die diese Brutalitäten entschieden verurteilt und mit ihm fühlt.


Pogrom und Vernichtung

Während des Pogroms im November 1938 drang der Mob auch in die Wohnung der Familie Langstädter ein. Ein Zeuge erklärte in einer späteren Vernehmung dazu dass ein Teil der Angreifer in die Wohnung Langstädters ging und dort alles kurz und klein schlug und das Mobiliar teilweise zum Fenster hinausgeworfen wurde. Langstädter und seine Ehefrau flüchteten durch ein Fenster nach der Straße zu. Langstädters Wohnung war zerstört. Das Ehepaar zog nach Mainz in die Untere Zahlbacher Str. 11, wahrscheinlich in die Wohnung von Leopold und Paula Krauskopf auf dem jüdischen Friedhof. Paula Krauskopf war die Schwester von Elisabetha Langstädter. Leopold Krauskopf war dort Friedhofsverwalter.


Elisabetha Langstädter musste 1939 ihr Elternhaus am Ober-Ingelheimer Markt verkaufen. Die Ingelheimer Zeitung berichtete darüber wie immer, wenn ein jüdisches Haus an „Arier“ verkauft wurde. Kurz wurde mitgeteilt, wer das Anwesen erwarb. Der Kaufpreis wurde in diesem Fall nicht genannt.


Von Mainz aus wurden Louis und Elisabetha Langstädter im gleichen Transport wie Leopold und Paula Krauskopf, am 30. September 1942 deportiert. In der Sprache der Nationalsozialisten hieß das: "Wohnsitzverlegung nach dem Generalgouvernement" (laufende Nummern 697 und 698). Langstädters werden seitdem vermisst. Wahrscheinlich wurden sie im Vernichtungslager Treblinka ermordet.


 Auf der Gedenktafel am Synagogenplatz wird ihrer gedacht. 


Weitere Informationen siehe in: Hans-Georg Meyer: Sie sind mitten unter uns. S. 122 und 369.

 

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Veranstaltungen der Landesarbeitsgemeinschaft Gedenkstätten Rheinland-Pfalz

Homepage:  http://www.lagrlp.de/

 
 
 Sample Image   "Ingelheim im Nationalsozialismus"

 Die Stadt Ingelheim erforscht unter dem Thema „Ingelheim im Nationalsozialismus“ die Geschichte ihrer Stadt umfassender, als dies bisher geschehen ist. Die Initiative ging vom Deutsch-Israelischen Freundeskreis Ingelheim e.V. aus, der das Projekt insbesondere durch den Einsatz seines Ehrenvorsitzenden Hans-Georg Meyer maßgeblich unterstützt. Oberbürgermeister Dr. Gerhard berief einen Beirat mit Vertretern aus Parteien, Kirchen, dem WBZ, Museum und dem Historischen Verein ein. Universitätsprofessor Dr. Michael Kißener, Professor für Zeitgeschichte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, hat die wissenschaftliche Beratung des Projekts übernommen. Projektleiterin ist Frau Caroline Klausing, Lehrbeauftragte am Lehrstuhl für Zeitgeschichte in Mainz.

Um Mitarbeit der Bürger wird gebeten

Die Bürger der Stadt werden gebeten, bei der Realisierung des Projektes zu helfen. Wer Dokumente, Fotos, etc. aus der Zeit von 1919 bis 1949 hat wird gebeten, sich zu melden.

Projektleitung:
Caroline Klausing
Neuer Markt 1
55218 Ingelheim am Rhein
Tel. 06132/432074

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Der Deutsch-Israelische Freundeskreis Ingelheim e.V. hat die Aufgabe, durch Vermittlung von Kenntnissen über Israel und Deutschland, ihre Geschichte und ihre Probleme Verständnis und Bewusstsein in den Menschen des jeweils anderen Landes zu wecken und zu stärken und die Toleranz auf allen Gebieten der Kultur und die Völkerverständigung zu fördern.


Wir bieten Veranstaltungen zu Israel und dem Nahen Osten und zum besseren Verständnis des Judentums an.


Wir forschen und veröffentlichen über die Geschichte der Juden in Ingelheim und über den Nationalsozialismus in Ingelheim.

Wir organisieren Reisen nach Israel und in umliegende Länder sowie Palästina, Fahrten in die ehemaligen rheinland-pfälzischen Konzentrationslager Osthofen und Hinzert und Besuche von Zentren jüdischer Kultur.

Wir unterstützen Schulen und Bildungseinrichtungen u.a. mit Referenten/Referentinnen und die Stadt Ingelheim bei der Durchführung des Jugendaustauschs mit Afula/Israel.

Wir pflegen Kontakte zu ehemaligen Ingelheimer Juden und ihren Nachfahren.

Wir freuen uns über neue Mitglieder.

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