Deutsch-Israelischer Freundeskreis Ingelheim e.V.
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Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht

Gedenken an die jüdischen Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft

anlässlich des 73. Jahrestages des Pogroms vom 9./10.11.1938


Mittwoch, 9. November 2011, 18.00 Uhr
Ort: Stele auf dem Synagogenplatz Ober-Ingelheim
 
Pressebericht vom 11. November 2011 in der AZ >>>>>>

 

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Ausstellung im Neuen Rathaus:

Auf der Suche nach den Ursprüngen:

Deutsch-jüdische und argentinische Identitäten

von Liliana und Miguel Rothschild,

Buenos Aires/Berlin

7. - 28. Oktober 2011


 

 

 

 

 

 

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Miguel und Liliana Rothschild führen durch die Ausstellung.

 

 


 


Die Großeltern von Liliana und Miguel Rothschild, Ernst und Lina Mayer, verließen im Jahr 1934 zusammen mit ihrer damals zweijährigen Tochter Sigrid Ingelheim. Die Boykott ihres Tabakwarengeschäfts und der Rassismus vertrieb sie aus ihrer Heimat. Sie fanden in Buenos Aires Exil. Liliana und Miguel Rothschild wurden dort geboren und wuchsen dort auf. Die alte Heimat Ober-Ingelheim kannten sie aus den Erzählungen ihrer Familie. Beide sind Künstler. In dieser Ausstellung brachten sie in Kunstwerken ihre deutsche, jüdische und argentinische Identität zum Ausdruck. Die Ausstellung war vom 7. bis 28. Oktober 2011 geöffnet.

 
Die Idee zu dieser Ausstellung entstand beim ersten Besuch von Liliana Rothschild in Ingelheim im Jahr 2008. Damals begleitete sie ihre Mutter, die in Ingelheim geboren wurde und 1934 mit ihren Eltern Ingelheim verließ. Der Judenboykott der Nationalsozialisten hatte ihnen jede Lebensgrundlage genommen. 2008 war Sigrid Rothschild als ehemalige Ingelheimer jüdische Bürgerin zur Begegnungswoche von der Stadt Ingelheim in Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Israelischen Freundeskreis Ingelheim eingeladen worden.


Die Fragestellung der Veranstalter war: Wie wächst jemand in  Argentinien mit deutsch-jüdischen Wurzeln auf? Spielt das Land  noch eine Rolle, das die Mutter von Liliana und Miguel Rothschild mit ihren Großeltern gezwungenermaßen verlassen mussten? Die Familie fand in Buenos Aires Exil. Liliana und Miguel Rothschild wurden dort geboren und wuchsen dort auf. Die alte Heimat Ober-Ingelheim kannten sie nur aus den Erzählungen. Hat diese Familiengeschichte einen Einfluss auf die Kunst der Kinder?
 
Die Geschwister Rothschild folgten der Einladung und beantworteten die Fragen mit der Ausstellung, der sie selbst den Titel gaben. Sie brachten in dieser Ausstellung ihre deutsche, jüdische und argentinische Identität zum Ausdruck. Liliana Rothschild wurde durch ihren ersten Besuch in Ingelheim zu einigen Kunstwerken inspiriert, die Antworten auf die oben gestellten Fragen geben. Zur Ausstellung wurde ein Katalog erstellt, der eine Interpretationshilfe gibt (siehe unten).    

 

Pressestimmen

Allgemeine Zeitung vom 10. Oktober 2011 >>>>>>>>

Ingelheimer Wochenblatt vom 13. Oktober 2012, Seite 9 >>>>>>>>

 

Zwei Beispiele der Kunst

 

 

 Liliana Rothschild: Integration I

Das Kunstwerk symbolisiert die Integration der Juden, als sie in den 1930er Jahren in Argentinien ankamen.
Es thematisiert die Beziehungen und die Zuneigung der Menschen zueinander. Die Hände geben und nehmen, sie werden einander gereicht, sie heißen willkommen und verflechten sich ineinander. Die Hände, die das Kunstwerk halten, sind ein Zeichen für die Unterstützung, Verteidigung und den Schutz, den Einheimische den Zuwanderern bei der Integration gewährten. Die Fäden sind die Kettfäden, welche die neue soziale Ordnung strukturieren, mit ihren Unterschieden, Ähnlichkeiten und eigenen Merkmalen.

 

 

 Miguel Rothschild: El atormentado 

 

Der spanische Titel ist schwierig zu übersetzen. Die Romantik spielt gerne mit dem Motiv der Natur, um das innere Erleben des Menschen darzustellen. Das Wort Atormentado bedeutet gequält sein. Es stammt vom Wort Tormenta  (Sturm). In der spanischen  Sprache bedeutet  Sturm, dass der Mensch sich selbst quält, Sturm ist eine Metapher für den Sturm im Inneren des Menschen. Auf diesen inneren Kampf weist der Künstler hin.Die Wolke deutet die inneren Zweifel des Menschen an, die durch die aufgesetzten Fragezeichen verstärkt werden. Der Betrachter kann hier leicht in das Liebliche, die Leichtigkeit des Bildes einsteigen. Erst ein weiteres Schauen lädt ein, sich auf eine zweite Ebene im Bild einzulassen.

 

 

Der Ausstellungskatalog als pdf-Datei

Ausstellungskatalog

 

 

 

 

 

 

 

Tag des offenen Denkmals

Das 19. Jahrhundert im Spiegel des jüdischen Friedhofs

Besuch des jüdischen Friedhofs


Am Sonntag, 11. September 2011, fand auf dem jüdischen Friedhof Hugo-Loersch-Straße eine Führung statt.  Der deutsch-israelische Freundeskreis Ingelheim e.V. griffdas Thema des diesjährigen Tages des offenen Denkmals:  „Romantik, Realismus, Revolution - Das 19. Jahrhundert“ auf. Klaus Dürsch, der 1. Vorsitzende des Deutsch-Israelischen Freundeskreises Ingelheim, e.V.,  erläuterte anhand der Familie Mayer, im Volksmund "Kohlenmayer" genannt, das Leben einer jüdischen Familie in Ingelheim. Die ersten Familienmitglieder sind 1783 in Ingelheim nachweisbar, der erste Grabstein befindet sich bereits auf dem ältesten Friedhof  Im Saal". Zunächst kamen die Familienmitglieder als Viehhändler nach Ingelheim. Später versorgten sie die Ingelheimer mit Kohlen. Das Unternehmen hatte seinen Sitz in der Bahnhofstraße kurz unterhalb vom Marktplatz Ober-Ingelheim. Während die alten Grabsteine noch ganz im traditionellen Stil gehalten sind, verändern sie sich im Laufe des 19. Jahrhunderts. So wurde der Stil des Historismus übernommen. Die Grabsteine wurden auf Deutsch und Hebräisch beschriftet. Der letzte Grabstein auf einem Grab, das als Doppelgrab vorgesehen war, blieb auf der einen Seite leer. Mina Mayer, die hier begraben werden sollte, wurde in Theresienstadt ermordet. Zwei ihrer Kinder konnten mit ihren Enkeln fliehen, während drei umkamen. So jüdischen Grabsteine geben Zeugnis von den Kunstrichtungen des 19. Jahrhunderts und dem Ringen um Anerkennung und Assimilation, zeigen aber auch den Abbruch des jüdischen Lebens durch die Katastrophe des Nationalsozialismus.

 

 

Preisverleihung zum  Jugendwettbewerb 2011

 
 
Der DIF hatte Anfang des Jahres 2011 zu einem Jugendwettbewerb zum Thema Israel eingeladen. Der Verein wollte damit junge Leute zwischen 13 und 21 Jahren anregen, sich mit den Beziehungen Deutschlands zu Israel und den Menschen im Nahen Osten zu beschäftigen. Drei Arbeiten wurden prämiert.

Den ersten Preis in Höhe von 300.- Euro erhielt die Klasse BF1 Holz der Berufsbil-denden Schulen Ingelheim unter Leitung von Herrn Brunk. Sie gestaltete in guter handwerklicher Arbeit ein Würfelspiel zum Thema Israel und ersann Quizfragen zu unterschiedlichen Sachthemen.

Den zweiten Preis erhielt Rike Breier. Es gelang ihr, in einem audiovisuellen Beitrag die Schwerpunkte ihrer Begegnung mit israelischen Jugendlichen innerhalb des Jugendaustauschs zwischen den Städten Ingelheim und Afula festzuhalten.

Den dritten Preis erhielt Jakob Schubert für eine Arbeit zur Bankenkrise in Israel im Jahr 1983. Er arbeitet darin heraus, wie es zur Hyperinflation in Israel kam und zieht einen Vergleich zum Zusammenbruch des Bankensystems 2008.

Die Preise wurden in einer Feierstunde am Dienstag, den 21. Juni im Jugend- und Kulturzentrum „Yellow“, verliehen.

>>> siehe auch AZ vom 30. Juni 2011

 

 

Bäume für den Carmel

zur Wiederaufforstung nach dem Waldbrand in Israel kkl

Shaul Chorev, Delegierter des Jüdischen Nationalfonds Keren Kayemeth Leisrael in Deutschland, informierte  am Mittwoch, den 25. Mai, 19.30 Uhr im Weiterbildungszentrum Ingelheim über die Wiederaufforstungsarbeiten und informiert insbesondere über das geplante Projekt "Michael-Sternheimer Wald" auf dem Carmel.

Der jüdische Nationalfond Keren Kayemeth Leisrael setzt sich für die Sicherung der Wasserressourcen Israels, die Begrünung des Landes und den ökologischen Umgang mit dem Boden ein. Eine seiner Aufgaben ist die Wiederaufforstung des Anfang Dezember im Carmelgebirge abgebrannten Waldes. Auch Ingelheimer helfen mit. Der Deutsch-Israelische Freundeskreis Ingelheim e.V. will die Spendengelder für einen ganzen Wald zusammen bringen. Der Wald soll dem Andenken an Michael Sternheimer gewidmet sein, der die Beziehungen zwischen Israelis und Deutschen förderte (siehe Startseite). Das bedeutet die Pflanzung von 5000 Bäumen.


Die Veranstaltung fand in Zusammenarbeit mit dem Weiterbildungszentrum statt.

 


Im Rahmen der Ingelheimer Schöpfungswoche fand am Montag, 9. Mai um 19.30 Uhr ein Vortrag statt zum Thema:

Das Alte Testament und die Werte

Der Journalist und Lyriker Andreas Berg (Südwestrundfunk) und Mitglied der Jüdischen Gemeinde Mainz, gab einen Überblick über die Ethik im Judentum. Er zog dabei einen Bogen ausgehend von der Tora und der mündlichen Tradition bis hin zu modernen Philospphen wie Hans Jonas.  Die Veranstaltung fand in der Saalkirche statt.


 

Mitgliederversammlung mit Neuwahlen

 

Am 23. März 2011 fand eine Mitgliederversammlung mit Neuwahlen statt.  Klaus Dürsch wurde als Vorsitzender in seinem Amt wieder gewählt, ebenso Ullrich Zöllner als stellvertrendender Vorsitzender. Herr Hermann Kissel wurde Geschäftsführer. Frau Petra Harth-Meyer wurde als Schatzmeisterin wieder gewählt. Als Beisitzer/innen wurden Susanne Krupka, Helmut Huber und Helmut Fiedler gewählt. Die Wahl der Kassenprüfer fiel auf Herrn Franz-Josef Brandt und Jürgen Kauffmann.

In seinem Bericht dankte der Vorsitzende zunächst allen Kooperationspartnern. Schwerpunkt der Arbeit des Vereins war besonders das Projekt „Ingelheim in der Zeit des Nationalsozialismus“, hier galt sein besonderer Dank dem Ehrenvorsitzenden Hans-Georg Meyer für seinen unermüdlichen Einsatz. Der DIF bot in den letzten zwei Jahren mehrere Literaturveranstaltungen, eine Zeitzeugenveranstaltung mit der inzwischen verstorbenden Frau Anneliese Knoop-Graf sowie Konzerte mit Dani Bober und Yitzaki sowie Shmuel  Barzilei an. Auf dem Programm standen Informationsveranstaltungen  politischer Art, u. a. mit dem Gesandten der Israelischen Botschaft E. Nahshon. Ein wichtiger Punkt war die Gedenkarbeit, erwähnenswert ist hier die jährliche Gedenkveranstaltung zum Jahrestag der Pogrome vom 9./10. 11.1938.

2010 konnten auf Initiative des DIF weitere 10 Stolpersteine mit dem Künstler und Initiator Gunter Demnig in Ingelheim verlegt werden. Ein weiterer wichtiger Punkt der Arbeit des DIF ist Kontakt zu den ehemaligen Ingelheimer Juden und die Recherchen zu ihrer Geschichte. Als gutes Beispiel für die Wichtigkeit der Recherchearbeit ist der Beitritt der Enkelin von Alfred Koch als Mitglied des DIF zu erwähnen. Im April 2010 fand im Rathaus die  Ausstellung zu jüdischen Friedhöfen in Ingelheim statt.

In 2012 wird eine Publikation dazu erscheinen. Weitere Einzelheiten sind in den Jahresberichten 2009 und 2010 enthalten, die auf der Homepage abgerufen werden können.


Weitere Planungen:
- Abschluss des Projektes „Ingelheim in der Zeit des Nationalsozialismus“ mit Er-scheinen eines Buches und Durchführung einer Ausstellung.
- Im Oktober 2011 Ausstellung mit Geschwistern Liliana und Miguel Rothschild.
- Spendenaktion zur Wiederaufforstung des Carmel-Waldes bei Haifa und Errichtung des Michael-Sternheimer-Waldes.
- Fertigstellung der Dokumentation über die jüdischen  Friedhöfe in Ingelheim.
- Jugenwettbewerb zum Thema Israel – als Anregung zur Auseinandersetzung.

 

 

Benefiz-Konzert mit Shmuel Barzilei

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Tenor und Oberkantor der 

Israelitischen Kultusgemeinde in Wien 

zugunsten der Wiederaufforstung des verbrannten Carmel-Waldes in Israel

 20.00 Uhr  "Michael-Sternheimer-Wald"

 Mittwoch, 23. März 2011, 20:00 Uhr im Ratssaal, Neuer Markt 1, Ingelheim

Zu Gunsten der vom Deutsch-Israelischen Freundeskreis Ingelheim e. V. ins Leben gerufenen Spendenaktion, die unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Kurt Beck steht, laden wir ganz herzlich zum Benefiz-Konzert mit dem Oberkantor der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Shmuel Barzilai, ein.

 

 

 siehe Pressebericht in der AZ-Ingelheim vom 26. März 2011

 Weitere Informationen über Shmuel Barzilai siehe seine Homepage

Gedenken

am Dienstag, 9. November 2010 an der Stele auf dem Synagogenplatz, Ober-Ingelheim.

Frau Beate Schwenk schrieb dazu in der Allgemeinen Zeitung Ingelheim:

"An jene düsteren Ereignisse vor 72 Jahren wurde auch in diesem Jahr wieder mit einer Gedenkveranstaltung in Ober-Ingelheim erinnert. Trotz strömenden Regens hatten sich zahlreiche Bürgerinnen und Bürger an der Beton-Stele versammelt, die seit 1992 die Erinnerung an die im Holocaust ermordeten Ingelheimer Juden wach hält.

Nachdem der Posaunenchor der evangelischen Versöhnungskirche die Veranstaltung auf dem Synagogenplatz eröffnet hatte, ergriff Klaus Dürsch, Vorsitzender des Deutsch-Israelischen Freundeskreises (DIF), das Wort. Er erinnerte an die einstige Synagoge, die am 27. August 1841 feierlich eingeweiht worden war. Das jüdische Gotteshaus stand in zweiter Reihe hinter einer Häuserfront und war durch das Vorderhaus in der Stiegelgasse zugänglich.

Dürsch brachte auch das Schicksal der ehemaligen Ingelheimer Juden in Erinnerung, von denen nur einige wenige in der Emigration überlebten. Nicht zu ihnen zählten der Volksschullehrer Ludwig (Louis) Langstädter und seine Ehefrau Betty, die im Vorderhaus der Synagoge lebten, und deren Wohnung im November 1938 ebenfalls zerstört wurde. Nach ihrem Wegzug nach Mainz wurden die Langstädters im September 1942 deportiert und vermutlich im Vernichtungslager Treblinka ermordet.

Als „eine der dunkelsten Stunden deutscher Geschichte“ bezeichnete Oberbürgermeister Dr. Joachim Gerhard die Pogrome vor 72 Jahren. Überall in Deutschland brannten die Synagogen, jüdische Wohnungen und Geschäftshäuser wurden zerstört, Hunderte von Menschen ermordet. „Der Rassenwahn brach sich Bahn“, so der Oberbürgermeister. Dass die jüdischen Gemeinden in Deutschland heute wieder mehr als 100 000 Mitglieder zählen, bezeichnete er als „großen Vertrauensvorschuss“. Dies auch, weil der Antisemitismus ja nicht mit dem „Dritten Reich“ untergegangen sei. Unverzichtbar sei es daher, den Blick nicht nur auf die Vergangenheit, sondern ebenso auf die Gegenwart und die Zukunft zu richten.

Verpflichtung und Mahnung

„Sich der Verantwortung stellen und Frieden lernen“ - das forderte die evangelische Dekanin Annette Stegmann. Man dürfe nichts verdrängen und nichts verschweigen. Pfarrer Helmut Huber sprach von einer besonderen Last, die auch die junge Generation in Deutschland trage, wenngleich sie selbst natürlich keine Schuld auf sich geladen habe.

Klaus Dürsch schlug schließlich den Bogen von der Judenverfolgung in der NS-Zeit zu den Verfolgten des 21. Jahrhunderts. „Heute sind wir ein Aufnahmeland, und die Not spielt sich woanders ab“, mahnte der DIF-Vorsitzende an die Verpflichtung, all jenen Menschen Unterstützung zu gewähren, die heute vor Terror und Verfolgung Zuflucht suchten."

Pressebericht AZ vom 11. November 2010

 

 

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        Gesandter Emmanuel Nahshon

Foto: Israelische Botschaft

 

 

Israelischer Gesandter zu Gast in Ingelheim:

 Der Deutsch-Israelische Freundeskreis Ingelheim e. V. konnte am Dienstag, den 26. Oktober 2010 einen interessanten Gast aus Berlin begrüßen. Der Gesandte des Staates Israel in Deutschland und Stellvertreter des Botschafters, Herr Emmanuel Nahshon, trug in einer öffentlichen Versammlung im Weiterbildungszentrum Ingelheim die Sicht des Staates Israel zur Situation im Nahen Osten vor und ging in diesem Zusammenhang auch auf den aktuellen Stand der Gespräche mit den Palästinensern ein. Anschließend musste er viele kritische Fragen insbesondere zur Siedlungspolitik beantworten. 

 Der Gesandte traf am folgenden Morgen mit Schülerinnen und Schüler des Sebastian-Münster Gymnasiums und führte ein Gespräch mit Oberbürgermeister Dr. Joachim Gerhard.

 

>>>>> siehe Pressebericht

 

 

 

 

 

 

Zwölf weitere Stolpersteine verlegt

Gunter Demnig verlegte am Samstag, den 11. September 2010 zur Erinnerung an jüdische Ingelheimer weitere zwölf Stolpersteine an vier verschieden Plätzen. Demnig ist der Initiator dieser Aktion. Er hat seit 1992 über 26.000 Steine in neun europäischen Ländern verlegt, in denen während der nationalsozialistischen Diktatur Menschen deportiert, vertrieben oder ermordet wurden oder sich in ihrer Verzweiflung selbst in den Tod  flüchteten. Die zwölf Menschen, denen die Stolpersteine im Jahr 2010 gewidmet wurden, sind Angehörige der zwei Ingelheimer Familien Kahn und Mayer.


Gunter Demnig bei der Verlegung am Synagogenplatz.
 
In Ingelheim wurden bereits 24 Stolpersteine in den Jahren 2006 und 2008 von Demnig verlegt.
Die zwölf Juden, denen die Stolpersteine im Jahr 2010 gewidmet werden, sind Angehörige der zwei Ingelheimer Familien Kahn und Mayer. Um den Lesern ihre Schicksale ein wenig näher zu bringen, seien hier ihre  Lebensstationen kurz skizziert.
Schwiegersohn der Kahns war der Lehrer Louis Ludwig Langstädter, der mit Betty Kahn verheiratet war. Langstädter wohnte im Vorderhaus der Synagoge. Im Elternhaus im Neuweg 1 lebte bis 1938 noch Rieke Kahn mit ihren anderen drei Kindern, die alle vier ermordet wurden. Für sie werden in der Stiegelgasse 25 und im Neuweg 1. Stolpersteine verlegt. Lediglich die älteste Tochter schaffte es nach Amerika zu emigrieren.
Einige Ober-Ingelheimer können sich an eine Kohlenhandlung erinnern, die sich kurz vor der Einmündung der Bahnhofstraße zum Marktplatz befand. Sie gehörte von 1863 bis 1934 der Familie Mayer. Henriette Mina Mayer lebte jedoch weiter in diesem Haus bis 1939 zur Miete und zog 1942 nach Mainz, wo sie am 28.September 1942 – damals 81jährig- über Darmstadt ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert wurde. Dort verstarb sie am 13. Oktober des gleichen Jahres an den Folgen ihrer Inhaftierung. Für sie und ihre beiden Söhne, Ferdinand und Robert, werden vor der ehemaligen Kohlehandlung, deren Haus heute nicht mehr steht, Stolpersteine gesetzt.
Zwei Kinder von Henrietta Mina und Moritz Meyer konnten sich retten. Ihre älteste Tochter Alice Babette, verh. Löwensberg, und ihr jüngster Sohn Martin emigrierten in die USA. Auch konnten von ihren 11 Enkelkindern nachweislich neun gerettet werden, weil sie früh genug ins Ausland gebracht werden konnten. Ein Enkelkind, Margot, wurde ermordet.
Olga Mayer, die Tochter von „Kohlen – Mayer“ war mit Otto Mayer einem Kaufmann und Weinhändler verheiratet. Otto engagierte sich in der Nieder-Ingelheimer Sanitätsgruppe. Die Familie zog mehrmals innerhalb von Ingelheim um. Zum Schluss hatten sie im Weingut Mett in der Mainzer Straße 31 eine Wohnung gemietet. Otto Mayer wurde nach dem November Pogrom 1938 zum ersten Mal verhaftet und im Konzentrationslager Dachau inhaftiert. Margot und Otto gelang es Anfang 1939 die beiden jüngeren Kinder nach England in Sicherheit zu bringen. Im September des gleichen Jahres zogen sie mit ihrer Tochter Margot nach Mainz.
Otto Mayer wurde 1942  im Emslandlager Neusustrum erneut inhaftiert und starb an den Folgen der Haft. Seine Frau Margot wurde im März in Richtung Osten deportiert und ist wahrscheinlich in einem Vernichtungslager bei Lublin umgekommen.
Die Tochter Olga wurde ebenfalls in den Osten deportiert und ist vermutlich dort ebenso wie ihre Mutter umgekommen. Für Otto, Margot und Olga werden in der Mainzer Straße 31 Stolpersteine gesetzt.
Veranstalter der Stolpersteinverlegung sind der Deutsch- Israelische- Freundeskreis Ingelheim in Zusammenarbeit mit „ in Rage“ - Ingelheims Bündnis gegen Rassismus und Gewalt. Die Vorbereitungen zur Verlegung der Stolpersteine trafen Schülerinnen und Schüler des Sebastian-Münstergymnasiums unter Leitung von Herrn Diehl, der Kaiserpfalz Realschule unter Leitung von Frau Müller-Algesheimer und Frau Eiler-Engelhardt und der Gesamtschule Kurt-Schumacher und Leitung von Frau Schrader und Frau Roth.
 
Die Verlegestationen waren Stiegelgasse 52, Neuweg 1, Bahnhofstraße 129 (Bushaltestelle) und Mainzer Straße 31 (Weingut Mett).
 
Am Vorabend fand eine Informationsveranstaltung statt. Gunter Demnig, der Künstler aus Köln, erläuterte den Sinn des Projekts. Er will erinnern an die Vertreibung und Vernichtung der Juden, der Sinti und Roma, der politisch Verfolgten, der Homosexuellen, der Zeugen Jehovas und der Euthanasieopfer, die im Nationalsozialismus ihr Leben lassen mussten. Er kämpft gegen das Vergessen an. Seine Devise lautet: „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“ So fertigt er Messingtäfelchen in der Größe 10X10 cm an, in die der Name und die Lebensdaten der betreffenden Personen eingearbeitet sind. Die Stolpersteine werden dann am letzten Wohnort, möglichst vor dem betreffenden Haus, im Boden verlegt. Auf diese Weise entsteht ein Gesamtkunstwerk des Erinnerns, das sich über ganz Europa erstreckt.
Gunter Demnig berichtete von seinen Erlebnissen der letzten 18 Jahre, die er während der Zeit der Verlegung seiner Stolpersteine hatte. Er berichtete von den vielen Initiatoren vor Ort, welche die Informationen zusammen tragen und auch von Widerständen. Einmal wurden sechs Stolpersteine aus dem Straßenpflaster gerissen. Die Initiatoren sammelten erneut Geld und konnten nun 36 Steine verlegen lassen.
Ein „Stolperstein“ betrifft eine Angelegenheit, die zu scheitern droht. Das kann auf der geistigen Ebene geschehen, in dem man an den Steinen Anstoß nimmt, Dinge sieht, die einem nicht passen; man kann aber auch mit dem Schuh regelrecht stolpern, hängen bleiben, straucheln. So konnte es nicht ausbleiben, dass Rechtsextremisten auf der politischen Bühne erschienen und versuchten die Aktionen zu stören oder zu boykottieren. Es gab aber auch die anderen, die vielleicht nur versuchten das Projekt scheitern zu lassen, indem sie ihre Handlungen damit rechtfertigen wollte, indem sie entrüstet sagten:“ Wie kann man nur auf diesen Gedenksteinen herumtrampeln und so noch einmal die Toten schmähen.“ Diese Stimmen, die insbesondere von Vertretern aus der jüdischen Gemeinde kamen, sind inzwischen weitgehend verstummt. Eine Gruppe sagt, wie auch die Ingelheimer Initiatoren; „Wenn man die Namen und Zahlen auf den Stolpersteinen lesen will, muss man sich tief hinunter beugen und sich so vor den Toten verneigen“. In vielen Gemeinden nehmen auch Angehörige der Ermordeten teil. Oft ist es der einzige Ort, an dem Erinnerung "festgemacht" werden kann. Für die Opfer der Vernichtungslager gibt es keine Grabstätten.
 
 

Tag der europäischen jüdischen Kultur 2010

 
Der Deutsch-Israelische Freundeskreis lud für Sonntag, den 5.September, dem Tag der europäischen jüdischen Kultur ins Weiterbildungszentrum Ingelheim ein. Die Referenten Klaus Dürsch und Architekt Karl-Georg Proksch griffen das Motto des diesjährigen Tages, „Art and Judaism“ (Kunst und Judentum) auf und brachen es auf die jüdische Gemeinde in Ingelheim herunter.

Frau Beate Schwenkt schrieb in der Allgemeinden Zeitung dazu: „Kunst in der jüdischen Gemeinde" hieß das Thema einer Veranstaltung des Deutsch-Israelischen Freundeskreises (DIF) im Weiterbildungszentrum. Aus Anlass des „Europäischen Tages der jüdischen Kultur" befassten sich DIF-Vorsitzender Klaus Dürsch und Architekt Karl-Georg Proksch mit Kunst und Architektur der jüdischen Gemeinde.
Die Spurensuche war kein leichtes Unterfangen, wie die Referenten eingangs erklärten. Denn die Quellen sind äußerst rar. Selbst von der Synagoge, die 1841 in Ober-Ingelheim errichtet wurde, sind nur spärliche Zeugnisse erhalten. Ein Luftbild ist das einzige Fotodokument, das die Synagoge von außen zeigt. Durch Vergrößerung konnten einige unscharfe Nah-Ansichten gewonnen werden, die gemeinsam mit Zeichnungen und alten Katasterplänen Anhaltspunkte für Aussehen und Standort der ehemaligen Synagoge liefern.
Errichtet wurde das jüdische Gotteshaus vor fast 170 Jahren hinter einer Häuserfront an der Stiegelgasse. Die Einweihung fand im August 1841 statt. Im Zuge der Novemberpogrome 1938 wurde die Ingelheimer Synagoge fast vollständig zerstört. Seit 1992 erinnert eine Stele auf dem Synagogenplatz an das einstige jüdische Gotteshaus. Für die Innenansicht der Syna¬goge gibt es ebenfalls nur ein Bilddokument. Das Foto stammt von ehemaligen Ingelheimer Juden aus den USA und zeigt den von einem Vorhang verdeckten Toraschrein.
Der Frage, ob man in Bezug auf den Synagogenbau von jüdischer Architektur sprechen könne, widmete sich Architekt Karl-Georg Proksch. Im Vorfeld der Veranstaltung habe er sich erstmals eingehend mit der Thematik befasst. Dabei habe sich gezeigt, dass man diese Frage nicht auf Ingelheim beschränkt beantworten könne. Folgerichtig unternahm Proksch zunächst einen Aus¬flug in die Bau- und Kulturge¬schichte, wobei er Bilder verschiedener Synagogen, Kirchen und Moscheen in Europa zeigte. Unter dem Strich gelangte er zu dem Schluss, dass man von einer spezifisch jüdischen Architektur wohl nicht reden könne. Weder bei Synagogen, die wie andere Sakralbauten je¬weils Stilelemente ihrer Zeit verarbeitet hätten, noch bei Funktionsgebäuden.
Letzteres verdeutlichte er am Beispiel der ehemaligen Ingelheimer Malzfabrik. Die Architektur des im 19. Jahrhundert errichteten Fabrikgebäudes verrate nichts über den Erbauer. Vielmehr habe es sich bei dem Komplex, den der jüdische Unternehmer Löwensberg errichten ließ, um einen typischen Funktionsbau gehandelt.
Bei Sakralbauten, so Proksch, sei es den Baumeistern unabhängig von der Weltanschauung darum gegangen, den Blick des Betrachters anzuziehen. Zwar habe es bei den individuellen Glaubenssymbolen naturgemäß Unterschiede gegeben, ansonsten habe man jedoch auf ähnliche Elemente zurückgegriffen. Dies dürfte auch für die Ingelheimer Synagoge gegolten haben, bei deren Bau etwa orientalische Stilelemente eine Rolle spielten. Im Anschluss an den Vortrag hatten die Besucher noch Gelegenheit, an einer Führung über den jüdischen Friedhof in der Hugo-Loersch-Straße teilzunehmen."

Pressestimmen: AZ vom 9. September 2010

 

Zum Jugendaustausch

 siehe Pressestimmen Allgemeine Zeitung

Karikaturen aus der Kindheit

Tomi Ungerer  - Deutsch-Israelischer Freundeskreis besucht  Ausstellung


Bei seinen Attacken gegen Gewalt, Unterdrückung  und Dummheit hat der Karikaturist Tomi Ungerer stets durch größte kritische Treffsicherheit überzeugt. So kennt man ihn. Wie diese künstlerische Angriffslust in dem Schüler Tomi Ungerer während der deutchen Besetzung im Elsass geweckt wurde, zeigt derzeit  die Ausstellung „Gedanken bleiben frei“ in der Gedenkstätte KZ Osthofen .


 Für den Deutsch-Israelischen Freundeskreis Ingelheim eine willkommene Gelegenheit, diesen Lebensabschnitt des Künstlers bei einem Ausstellungsbesuch genauer kennen zu lernen, zumal durch sachkundige  Führung wichtige historische Details dieser aus 250 Exponaten bestehenden Präsentation beleuchtet werden konnten.
 Im Kontext zu den Zeichnungen der frühen Jahre sieht der Besucher Dokumente aus der nationalsozialistischen Propaganda jener Tage. Der 1931 geborene Tomi Ungerer erlebte mit seiner Familie die Okkupation seiner Heimat durch deutsche Truppen und deutsche Bürokratie zwischen 1940 und 1945 hautnah. Er hat sein Umfeld scharf beobachtet, und häufig blitzt in seinen Zeichnungen der Witz auf, der später bei dem erwachsenen Künstler zur genialen Pointe reifte.  Dokumente aus der Kindheit und aus Sammlungen hat Ungerer eigens für die Ausstellung in Osthofen ergänzt durch Collagen, die gegen Krieg und Gewalt gerichtet sind. Faszinierend vor allem die Video-Einspielung eines Interviews aus Anlass der Ausstellungseröffnung, in dem sich Tomi Ungerer zeigt wie er ist: kämpferisch und kompromisslos, aber auch von einer großen Liebe beseelt für das Schöne dieser Welt, die Landschaften, die Tiere, die Kinder. Die von dem Vorsitzenden  Klaus Dürsch geleitete Besuchergruppe des Deutsch-Israelischen Freundeskreises begrüßte den Besuch in Osthofen als einen Beitrag politischer Bildung und kultureller Vertiefung zugleich.

 

 

 „Geschichte erleben – die jüdischen Friedhöfe in Ingelheim am Rhein“


Ausstellung im Neuen Rathaus im April 2010, Neuer Markt 1

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Grabstein auf dem Friedhof Im Saal

Foto: Michael Schlotterbeck.


 


Vom 9. – 26. April 2010 richtete der Deutsch-Israelische Freundeskreis Ingelheim, e.V. in Kooperation mit dem Kulturamt der Stadt Ingelheim im Neuen Rathaus eine Ausstellung zum Thema: „Geschichte erleben – die jüdischen Friedhöfe in Ingelheim am Rhein“ aus.

Auf 34 Bannern wurde dieses versteckte Kulturgut Ingelheims der Öffentlichkeit präsentiert. Die Ausstellung ist Teil einer geplanten ausführlichen Dokumentation der jüdischen Friedhöfe von Ingelheim am Rhein. Die Grabstätten sind die letzten Zeugnisse der jüdischen Familien, die bis zu ihrer Vertreibung und Ermordung während der Jahre der nationalsozialistischen Diktatur in Ingelheim zu Hause waren. Vier jüdische Friedhöfe sind erhalten. Sie liegen Im Saal vor der Aula regia, in der Hugo-Loersch-Straße, im städtischen Friedhof in der Rotweinstraße und für Großwinternheim und Schwabenheim unter dem Schloss Westerhaus.

Der älteste entzifferbare Grabstein stammt aus dem Jahr 1726 und steht auf dem Friedhof Im Saal. Die letzte Beerdigung während der NS-Diktatur fand 1941 auf dem Friedhof an der Rotweinstraße statt. Auf manche Grabsteine ließen Familienangehörige später die Namen ihrer während der NS-Diktatur geflohenen oder ermordeten Angehörigen einmeißeln. Manchmal wussten sie nicht, wo ihre Verwandten gestorben waren. So wurden die bestehenden Familiengrabstätten zu Trauerorten und Gedenkstätten für die vermissten Familienmitglieder.


Die Grabsteine aus dem 18. und der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden aus Sandstein gefertigt und sind stark verwittert. Der Deutsch-Israelische Freundeskreis Ingelheim e.V. ließ alle Grabsteine in ihrem Jetzt-Zustand fotografieren. Der Vereinsvorsitzende Klaus Dürsch nahm die Daten auf und übersetzte die Schriftzeichen. Dank der Vorarbeit des Ehrenvorsitzenden Hans-Georg Meyer sowie der Aufstellung der Familienlisten durch Robert Blum lassen sich viele Grabsteine zuordnen. Die Ausstellung vermittelt mit Hilfe von Fotos, Texten und Dokumenten einen Eindruck über die Friedhöfe und die Menschen, die dort begraben liegen. Sie wurde durch den Vorstand des Deutsch-Israelischen Freundeskreises Ingelheim, e.V. zusammengestellt. Die Redaktion hatten Klaus Dürsch und Petra Harth-Meyer. Fotodesigner Michael Schlotterbeck machte die Aufnahmen, Paul Enste, Creative Time, Mainz, gestaltete die Charts und Saase Print Service, Ingelheim, führte den Druck aus.

Im November 2008 besuchten aus Ingelheim stammende Juden und ihre Angehörigen auf Einladung der Stadt Ingelheim am Rhein und des Deutsch-Israelischen Freundeskreises Ingelheim e.V., teils zum zweiten Mal nach 1998, die Stadt ihrer Herkunft. Auch der Besuch der Friedhöfe stand auf dem Programm. Dabei wurde deutlich, dass hier über mehrere Generationen hinweg Begräbnisstätten der Vorfahren der Besucher erhalten sind. Schülerinnen und Schüler der Ingelheimer Schulen führten damals die Gäste zu den Gräbern ihrer Angehörigen. Die Friedhöfe haben also einen Bezug zu heute lebenden Menschen in Argentinien, Israel und den USA.


Die Friedhöfe sind ein Bindeglied zu den jüdischen Bürgern überall in der Welt, die selbst oder deren Vorfahren emigrierten oder fliehen mussten. Dies sollte uns eine wichtige Motivation sein, die Grabstätten und Friedhöfe zu pflegen und zu erhalten.


Die Friedhöfe zeigen weiterhin, dass sich Juden und Christen in Rheinhessen gegenseitig beeinflussten. Viele der auf den jüdischen Grabsteinen erhaltenen Stilelemente fanden sich auch auf christlichen Friedhöfen wieder. So geben sie mitunter Aufschluss über die Gestaltung von Grabstätten, die nicht mehr erhalten sind. 

 Nach fast 70 Jahren fand Anfang 2010 wieder eine jüdische Beerdigung statt.

Die Ausstellung wurde am Freitag, dem 9. April durch Oberbürgermeister Dr. Joachim Gerhard und den DIF-Vorsitzenden Klaus Dürsch eröffnet. >>>>Pressestimmen : Lokaler Anzeiger  Allgemeine Zeitung Ingelheim

 





Ausstellung






Fotos: Petra Hardt-Meyer

 

 

 

Unserem Ehrenvorsitzenden Hans-Georg Meyer gratulieren wir zur Verleihung des Landesverdienstordens Rheinland-Pfalz

 

Ministerpräsident Kurt Beck hat am 7.12.2009 zehn verdiente Persönlichkeiten mit dem Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet. Sie erhalten damit für herausragende Leistungen und besondere Verdienste die höchste Auszeichnung, die Rheinland-Pfalz zu vergeben hat.

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Hans-Georg Meyer und Ministerpräsident Kurt Beck 

 

„Unser Land ist auf Bürgerinnen und Bürger angewiesen, die freiwillig Aufgaben übernehmen und sich an der Verantwortung für das Gemeinwohl beteiligen“, sagte der Ministerpräsident bei der Ordensverleihung in der Staatskanzlei.

Die zehn Männer und Frauen hätten auf den verschiedensten Gebieten Hervorragendes geleistet, im Hochschulbereich, beim Einsatz für die rheinland-pfälzische Partnerschaft mit Ruanda, im Energiebereich, in der Kommunalpolitik, für den deutsch-israelisch-palästinensischen Dialog oder in der Behindertenhilfe.  „Alle Ordensträgerinnen und Ordensträger verbindet, dass sie ihre Begabung nicht nur für sich selbst nutzen, sondern auch für andere einsetzen. Sie bereichern unser Land und haben dazu beigetragen, es voranzubringen“, so der Ministerpräsident.

In der Laudatio heißt es zu Hans-Georg Meyer: "Hans-Georg Meyer hat sich  in besonderer Weise um die deutsch-israelisch-palästinensischen  Beziehungen  sowie  um  die  Versöhnung mit den Opfern des Nationalsozialismus verdient gemacht.
Von 1987 bis 1993 war Herr Meyer zunächst stellvertretender, von 993  bis  2005  Direktor  der  Landeszentrale  für  politische  Bildung Rheinland-Pfalz.  Schwerpunkte  seiner  beruflichen  Tätigkeit  lagen hier  besonders  in  der  Gedenkarbeit  und  der  Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus und der Fremdenfeindlichkeit.  
Vor  allem  die  inhaltliche,  organisatorische  und  bauliche Realisierung  der  Konzeption  für  die  beiden  Gedenkstätten  KZ-Osthofen und SS-Sonderlager/KZ Hinzert ist in großem Umfang von Herrn Meyer erarbeitet und umgesetzt worden und wäre ohne sein weit über das normale Maß hinausgehende Engagement und seine
Vernetzung mit den Organisationen der deportierten Nazi-Opfer  in den Nachbarländern in dieser Weise nicht möglich gewesen.  
Das Thema begleitet ihn auch im Ruhestand – gegenwärtig arbeitet er  an  dem  von  ihm  initiierten  Projekt  "Ingelheim  im Nationalsozialismus"  mit.  Er  hat  darüber  hinaus  viele  Jahre  die Kontakte  zu  ehemaligen  Bürgerinnen  und  Bürgern  jüdischen Glaubens  aus  Ingelheim  in  Israel,  den  USA  und  Argentinien aufgebaut und gepflegt und bereits 1983 den Deutsch-Israelischen Freundeskreis  Ingelheim  e.V.  gegründet,  dessen  Vorsitzender  er bis 2003 war. Von 1989 bis 1995 war er außerdem Vorsitzender der Deutsch-Israelischen  Gesellschaft  –  Arbeitsgemeinschaft  Mainz  – und  darüber  hinaus  von 1990 bis 1995 auf Bundesebene Mitglied
des Präsidiums.  
1995  gehörte  der  zu  Ehrende  zu  den  Gründungsmitgliedern  und zeitweise  Vorstandsmitgliedern  des  Vereins  "Givat  Haviva Deutschland e.V.", einer Bildungs- und Begegnungsstätte zwischen Tel Aviv und Haifa, die sich für die jüdisch-arabische Verständigung einsetzt.  
In  besonderer  Weise  hat  sich  Hans-Georg  Meyer  auch  für  die Einbeziehung  von  Kunst  und  Kultur  in  die  politische  Bildung eingesetzt.  Auf  seine  Initiative  gehen  beispielsweise  die  in  diese Form  einmaligen  deutsch-israelisch-palästinensischen  Autorentreffen  in  Rheinland-Pfalz  zurück,  bei  denen  inzwischen mehr  als 100  Autorinnen  und  Autoren  zu  einem  Gedankenaustausch zusammenkamen.

Herr  Meyer  hat  darüber  hinaus  an  der  Entstehung  zahlreicher Publikation als Autor oder Herausgeber mitgewirkt."

Quelle: Die Landesregierung

 siehe auch AZ vom 12.12.2009

Neve Hanna

ein besonderes Kinderheim stellt sich in Ingelheim vor.Neve Hanna


„Neve Hanna“ ist ein israelisches Kinderheim in Kirjat Gat, am Rande der Wüste Negev und bedeutet „Oase der Hanna“. Etwa 70 Kinder im Alter von 4-18 Jahren leben hier in familienähnlichen Wohngruppen beisammen. Das Heim hat eine in Deutschland beginnende Geschichte. Die Gründerin Hanni Ullmann, wuchs in einem Kinderheim in Berlin auf und flüchtete 1933 nach Palästina. Bis heute prägt diese Gegebenheit das Heimleben. Jährlich helfen deutsche Freiwillige bei der Bewältigung des Alltags und halten auch lange nach ihrem Freiwilligendienst einen engen Kontakt zu Kindern und Erzieher des Heims.
Auf Initiative des deutsch-israelischen Freundeskreis Ingelheim e.V. berichtete der Heimleiter David Weger am 16. November in der IGS und der Kaiserpfalz Realschule Ingelheim. Herr Weger berichtete über das Leben im Heim. Er machte auf die Schwierigkeiten aufmerksam, die sich daraus ergeben, dass die Herkunftsfamilien aus vielen Ländern kommen. So wenden sie bei den Kindern aus Äthiopien beispielsweise eine Tanztherapie an. Er stellte das Friedensprojekt vor, einen gemischten Tageshort, den jüdische und beduinische Kinder besuchen. Hier wird hebräisch und arabisch gesprochen. In einer Bäckerein können die Kinder lernen, was es heißt, sich mit Arbeit ein Taschengeld zu verdienen. So sollen sie darauf hin geführt werden, selbst für ihren Lebensunterhalt aufzukommen und nicht wie viele ihrer Eltern von Sozialhilfe zu leben. Der Gründerin  Hanna Kaphan, einer Berliner Pädagogin, die 1929 nach Palästina auswanderte, war die Verbindung nach Deutschland immer wichtig. Deshalb arbeiten deutsche Volontäre in dem Projekt mit. Weger lud insbesondere die Zehntklässler zu einem Einsatz in Neve Hannah ein. Der Deutsch-Israelische Freundeskreis will mit der Organisation einen intensiveren Kontakt aufbauen.

Weitere Informationen über Neve Hanna auf www.nevehanna.org

Die Gedenkveranstaltung für die jüdischen Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft fand am Montag, 9.11.09, um 18.00 Uhr an der Stele auf dem Synagogenplatz, Ober-Ingelheim statt. 

Gerhard Grunwald von der AZ-Ingelheim schrieb dazu in der AZ vom 10.11.2009

GEDENKFEIER Bürger erinnern an Ausschreitungen in Pogromnacht am 9. November 1938

Rund 60 bis 70 Bürger haben gestern Abend der Pogromnacht am 9./10. November 1938 gedacht, in der es auch in Ingelheim zu Ausschreitungen gegen Menschen jüdischen Glaubens gekommen ist. Eingeladen zu der Gedenkfeier auf dem Synagogenplatz in Ober-Ingelheim hatte der Deutsch-Israelische Freundeskreis.

Dessen Vorsitzender Klaus Dürsch erinnerte in seinen einleitenden Worten daran, dass an genau diesem Platz früher die Synagoge gestanden habe. Das Gotteshaus sei vor 71 Jahren von Ortsgruppenleiter Matthes und dessen Kumpanen zerstört worden. Dürsch rief dazu auf, der Menschen zu gedenken, die während der NS-Diktatur ermordet und ihres Besitzes beraubt wurden. Beispielhaft schilderte Dürsch das Schicksal der Eheleute Karl und Lilly Neumann. Die Juden, die in den 1930er Jahren in der Bahnhofstraße eine Weinhandlung betrieben, wurden von den Nazis ins Konzentrationslager nach Theresienstadt deportiert und dort in den 1940er Jahren ermordet. Heute erinnern zwei sogenannte Stolpersteine in der Bahnhofstraße daran, dass hier einmal das Paar gewohnt hat.

"Wir alle tragen Verantwortung dafür, dass es künftig keinen schweigenden Mehrheiten mehr gibt. Wir müssen die Stimme erheben gegen Rassismus, Intoleranz und Gewalt", sagte Oberbürgermeister Dr. Joachim Gerhard in seiner Ansprache. "Das Pogrom war ein Alptraum für alle jüdischen Menschen, auch hier in Ingelheim", erinnerte Gerhard daran, dass überall in Deutschland im November 1938 die Synagogen brannten und der braune Mob Mitbürger drangsalierte, die nichts Unrechtes getan hatten. "Nur weil sie Juden waren, mussten sie leiden. Millionen fielen den Nazis zum Opfer", verwies der Oberbürgermeister auf das düsterste Kapitel deutscher Geschichte. Nur wenn die Erinnerung an das unmenschliche Geschehen wach gehalten und auch der Jugend vermittelt werde, bestehe die Hoffnung, dass sich Gleiches nicht wiederhole. Gerhard legte zum Gedenken an die ermordeten Juden ein Gebinde an der Mahnstele auf dem Synagogenplatz nieder.

Pfarrer Tobias Schäfer von der katholischen Pfarrei St. Remigius sprach ein Gebet, in dem er um Gerechtigkeit und Frieden auf der Welt bat.

 

 

 

Der SWR sendete in der Rubrik

F E A T U R E , K U L T U R , R E P O R T A G E

in SWR 2 Rheinland-Pfalz am 7.11., 22.03 - 23.00 Uhr das Feature: 

„Wir sind die Letzten. Fragt uns …“

Ingelheim am Rhein – eine Kleinstadt stellt sich ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit
Von Jeanette Schindler

 

"Auf einmal kamen so Stimmen hier auf, 'ach, ihr habt dem Jude Koch sein Haus gekauft' ." Als eine Bürgerin aus Ingelheim ihr neu erworbenes Anwesen bezieht, wird sie unwillkürlich mit der Geschichte des Hauses konfrontiert. Fragen drängen sich auf, die viele Bürger der Kleinstadt beschäftigen: Was war in der Pogromnacht im November 1938 geschehen? Was wurde aus dem Besitz der vertriebenen jüdischen Familien? "Ingelheim im Nationalsozialismus" heißt das Projekt, mit dem die Stadt am Rhein Licht in ein dunkles Kapitel ihrer Vergangenheit bringen will. Anders als in anderen Städten ist jeder einzelne aufgerufen mitzumachen. Schon seit Anfang der 1980er-Jahre versucht die Stadt auf verschiedenen Wegen, die Verfolgung und Ermordung ihrer jüdischen Mitbürger aufzuarbeiten. Im November 2008 kam eine Gruppe ehemaliger Ingelheimer Juden zu Besuch – die letzen Zeugen jüdischen Lebens in der Kleinstadt. Die heute fast 90-Jährigen appellieren an die Jugend: "Lasst nicht zu, dass so etwas wieder geschieht. Seid tolerant und setzt euch ein, wenn ihr Unrecht seht." Es liegt nahe, auch die muslimische Minderheit in Ingelheim zu Wort kommen zu lassen. Türken erzählen über ihr Leben in der Stadt - und einer von ihnen nimmt sich sogar Urlaub, um den aus den USA angereisten Juden Harry Neumann zu treffen.




Anlass des Feature ist das Projekt "Ingelheim im Nationalsozialismus" Auch Harry Neuman, der im November 2008 im Rahmen der Begegnungswoche zu Gast war, kommt dort zu Wort.

 

Am Literaturabend las Frau Ursula Krechel in der Ingelheimer Stadtbücherei am Mittwoch, 4.11.2009 vor vollem Haus aus ihrem 2008 erschienenen Roman

Shanghai fern von wo

Es ist ein grandioses Erzählpanorama über die jüdischen Emigranten in der internationalen Stadt Shanghai im Jahre 1938- 1945.

 

Sie erzählt in ihrem Roman die Geschichte der 18.000 Juden, die vor der Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus nach Schanghei fliehen konnten. Acht Lebensgeschichten flicht sie ineinander.

Frau Karola-Maria Arnold-Titakis schrieb dazu in der AZ vom 7.11.2009

 "Fast 30 Jahre erforschte Krechel das Thema, beleuchtete es von verschiedenen Seiten, sprach mit Zeitzeugen und schrieb zwischendurch ein Hörspiel darüber. Endlich, im Jahr 2008, erschien ihr über 500 Seiten langes Andenken an die relativ kleine Anzahl Mutiger, die sich damals in das fremde China wagte. Klaus Dürsch vom Deutsch-Israelischen Freundeskreis schätzt an dem umfangreichen Werk die sorgfältig recherchierten und gut beschriebenen persönlichen Situationen im chinesischen Exil, die eine gewisse Ähnlichkeit zu den Erfahrungen aufwiesen, die auch Ingelheimer Auswanderer in anderen Ländern gemacht hätten.

Dem interessierten Publikum brachte Krechel an diesem Abend die Geschichte der Rosenbaums näher. Ein jüdischer Jurist, der es sich zur Leidenschaft machte, die Lücken in den deutschen Gesetzen zu suchen und auch dann eine solche fand, als es darum ging, eine verbotene Ehe zu einer Deutschen einzugehen. Nach der Heirat in Prag flüchtete das Paar nach Shanghai. Dort führte es ein Handschuhgeschäft und verhielt sich möglichst unauffällig. Alles lief verhältnismäßig gut, bis ihnen ein kleiner Fehler unterlief. Es sind tragische Geschichten, die "mit strenger Schrift" geschrieben werden wollten, verdeutlichte die Autorin ihre Vorgehensweise. "Alle Personen und Fakten der Lebensläufe sind aus Dokumenten entnommen". Sie selbst habe nur Veränderungen der Musik, des Rhythmus" vorgenommen, versicherte sie. Die "blumenreiche Sprache" kommt auch bei den Zuhörern gut an.

Im Anschluss an die Lesung beantwortete die Berlinerin selbstbewusst alle Fragen aus dem Publikum. Bei der Frage nach der Idee zu diesem Text schwelgte sie in mannigfaltigen Erinnerungen bis zurück in die 1980er Jahre und ihrem ersten Besuch in der Volksrepublik. Auch in ihren weiteren Ausführungen erwies sich Ursula Krechel als Expertin auf ihrem thematischen Gebiet. Demzufolge plant die 1947 in Trier geborene Autorin bereits eine Art Fortsetzung."

Krechel wollte mit ihrem Buch ein Denkmal für die Juden in Schanghai setzten. Die acht Lebensgeschichten, die sie in ihrem Buch verwob,  sind nicht erfunden, ihre Erfahrungen können viele Menschen nachvollziehen, die ins erzwungene Exil fliehen mussten. Lediglich die Übergänge entspringen der Fantasie der Autorin. Dass Frau Tausig den Lebensunterhalt für sich und ihren Mann ihren Kochkünsten zu verdanken hat, ist wahr. Dass sie die Frühlingsrolle erfunden hat, ist Dichtung. Inzwischen macht die Behauptung die Runde, die Frühlingsrolle sei die Erfindung einer Wiener Jüdin. So überzeugend kann Literatur klingen .......

 Ursula Krechel wurde 2009 mit dem Deutschen Kritikerpreis ausgezeichnet.

Die Veranstaltung fand in Zusammenarbeit zwischen dem Deutsch-Israelischen Freundeskreis Ingelheim e.V., der Stadtbücherei und dem Weiterbildungszentrum statt.

 

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Am Samstag, den 10.10.2009 führte Dany Bober etwa 80 Zuhörerinnen und Zuhörer in der Versöhnungskirche in Ingelheim-West auf

Eine Jüdische Zeitreise

durch drei Jahrtausende und über die ganze Erde.

Dany Bober wählte  die in der Zeit der Weimarer Republik auf deutschen Kleinkunstbühnen beliebte Form des "Features". Hierbei tragen die unterschiedlichsten Stilelemente wie Lieder, Berichte, Mundartgedichte und Humor zu einem kurzweiligen und doch informativen Abend bei. Von teilweise eigenen Vertonungen der Psalmen König David und Salomo führte sein Programm über das babylonische Exil, die hellenistische und römische Zeit in das mittelalterliche Spanien und nach Aschkenas (Mitteleuropa) und  zu den jiddischen Volksweisen Osteuropas. Zwischen den Liedern erzählte er die Geschichte, die den Rahmen zu seinen Liedern bildete: Anekdoten, Prosa und Gedichte aus der biblischen Zeit, der jüdischen Emanzipation aus Frankfurt am Main und dem Berlin des 19ten Jahrhunderts. Er flocht auch seine eigene Lebensgeschichte ein. Er wurde als Kind deutscher Eltern, die vor der Nazi-Diktatur in das britische Mandatsgebiet flohen, kurz nach der Staatsgründung in Israel geboren. Seine Eltern kehrten mit ihm nach Deutschland zurück. Mit viel Humor führte er das Publikum durch traurige und freudige Ereignisse in der jüdischen Geschichte. Er beendete seinen Vortrag mit Liedern und Anekdoten aus Israel und den Vereinigten Staaten und Friedensgebeten aus der jüdischen Gebet.

Die Veranstaltung fand in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Versöhnungskirchengemeinde und dem Weiterbildungszentrum Ingelheim satt.

 

Karola Arnold-Tikakis schrieb dazu in der Allgemeinen Zeitung Ingelheim:  Es war eine historische und geografische Reise durch die Geschichte des Judentums auf die Dany Bober sein Publikum mitnahm. Mit einem "herzlichen Schalömsche" stellte sich der in Ingelheim bereits durch Auftritte beim Eurofolkfestival bekannte Musiker vor. Der 1948 in Israel geborene Dany Bober kam mit seinen Eltern nach dem zweiten Weltkrieg zurück in die Geburtsstadt seines Vaters, Frankfurt am Main. Seit 1976 lebt er in Wiesbaden. Veranstalter dieses informativen als auch kurzweiligen Abends in der Versöhnungskirche waren der Deutsch-Israelische Freundeskreis und das Weiterbildungszentrum Ingelheim. Auf verständliche Weise und mit bedecktem Haupt trug Bober vertonte Psalmen von König David vor. Bei gedämpftem Licht ging die Reise weiter über das babylonische Exil und die persische Herrschaft. Er spielte auf seiner akustischen Gitarre die israelische Nationalhymne, danach folgte eine Lesung und wieder ein Lied. Lustige Lieder, Liebeslieder als auch Schlaflieder fanden sich in seinem Repertoire. Die Vielfältigkeit der jüdischen Kultur blickte durch, weil Bober von bekannten traditionellen Melodien über Flamencoklänge der Juden des spanischen Mittelalters in Andalusien, Partisanenlieder aus der Zeit des Nationalsozialismus bis hin zu einem der ausgelassensten Volkslieder: "As de Rebbe tanzt", alles mit einbrachte. Es ist die "ausgelassene Fröhlichkeit der chassidischen Juden mit den Schläfenlöckchen in New York", erzählt Bober. Die Lieder trug er auf drei verschiedenen Sprachen vor, Hebräisch, Jiddisch und Hochdeutsch, wobei sich immer wieder mal sein Hessisch daruntermischte. Die Zuhörer waren begeistert von soviel Fröhlichkeit in den Gesängen, denn Dany Bobers Stimme und die Texte dominierten über die Melodien. "Man kann sich so gut rein versetzen auch wenn man das Hebräisch nicht versteht". "Er kann seinen Enthusiasmus auf die Zuhörer übertragen", empfand das Publikum, das für diesen Anlass auch aus Nachbarstädten anreiste. Doch auch ohne Musik konnte Bober seine Zuhörer mitreißen. Bei der Erwähnung des "Haman" in einer seiner Geschichten, der ein mieser Charakter gewesen sei, wurde auf seine Bitte hin und so wie es Tradition in den Synagogen sei, ein schallender Lärm veranstaltet.

Viele historische und gesellschaftliche Zusammenhänge wurden im Laufe des Abends angesprochen. Zum Nachdenken regten die besinnlichen Lieder an "die trotz allem Leid charakteristisch für deren Humor sei", verwies Bober auf den schwarzen Humor der Juden, wovon er gerne eine kleine Kostprobe gab. Unter den Nachlässen seines Vaters hätten sich auch einige Witze befunden, die er zusammen mit persönlichen Anekdoten gegen Ende der liebevoll vorgetragenen "Jüdischen Zeitreise" noch zum Besten gab." AZ-Ingelheim  

 

 

 

Am Donnerstag, den 8. Oktober 2009veranstaltete das Sebastian-Münster Gymnasium Ingelheim in Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Israelischen Freundeskreis ein Zeitzeugengespräch mit Sally Perel.

Sally Perel brauchte mehr als vierzig Jahre, um das Trauma seines Lebens in Worte zu fassen. Aber mit dem Beschluss, dies zu tun, verpfichtete sich Sally Perel selbst, eine Aufgabe zu übernehmen, nämlich im Sinne von Steven Spielbergs Zitat: „Zeitzeugen sind Lehrer“ In zwei Veranstaltungen sprach er zu Schülerinnen und Schülern des Sebastian-Münster-Gymnasiums vor allem aus der 10. und 11. Jahrgangsstufe und der Kaiserpfalz-Realschule. 
Vor der Begegnung mit dem in Israel lebenden Zeitzeugen wurde die Verflmung von Sally Perels autobiographischem Buch „Ich war der Hitlerjunge Salomon“ gezeigt (Filmtitel: „Hitlerjunge Salomon“).


Björn-Christian Schüßler schrieb dazu in der AZ-Ingelheim:

"Eindrucksvoll schilderte Perel, der seit 60 Jahren in Israel lebt, was er gedacht und empfunden hat in seiner Jugend, die zwischen 1933 und 1945 zerrissen war zwischen jüdischem Glauben, dem äußeren Merkmal der Beschneidung und nationalsozialistischem Gedankengut, "das für mich logisch und überzeugend klang und wie Gift in mein junges Gehirn getropft wurde".

Aufmerksam und ehrfürchtig lauschten die Schülerinnen und Schüler der zehnten und elften Klassen des Sebastian-Münster-Gymnasiums seinen Worten.

Per Zufall hatte Geschichtslehrer Franz Diehl von Perels Herbsttour gehört und sofort die Chance ergriffen, ihn einzuladen. Sally Perel wurde 1925 in einer jüdischen Familie in Peine geboren und verlebte eine glückliche Kindheit.

Doch mit den Nürnberger Rassengesetzen 1935 war der Schutz für den Zehnjährigen vorbei. "Da begann der gesetzliche Völkermord", sagte Perel. Die Familie flüchtete nach Lodz ins westliche Polen, doch mit dem Kriegsbeginn 1939 gerät sie erneut in Gefahr.

Sallys Mutter schickte ihn und seinen ältesten Bruder Isaak in den russisch besetzten Teil Polens, in dem Sally vom Bruder getrennt wurde, zwei Jahre in einem Waisenhaus lebte und Russisch lernte, ehe eine erneute Flucht vor der angreifenden Wehrmacht scheiterte.

Vor der Ausweiskontrolle vergrub Perel seine gesamten Papiere. "Der Soldat fragte mich: Bist du Jude? - Ich sagte, ich bin kein Jude, ich bin Volksdeutscher", beschrieb Perel den entscheidenden Moment - eine lebensrettende Lüge.

Als Josef Peters, der für die Nazis in Russland übersetzte, wurde der "Jupp" sehr beliebt, fand im homosexuellen Sanitätsunteroffizier Heinz Kelzenberg einen Verbündeten und Freund und in der deutschen Uniform einen willkommenen Deckmantel für seine jüdische Abstammung.

Als 16-Jähriger wurde Perel an die Adolf-Hitler-Schule in Braunschweig und in die Hitlerjugend geschickt. Ein Jude in der Hitlerjugend? Sally Perel spielte mit, um zu überleben, jedoch in ständiger Angst, sich zu verraten.

Vor allem, zu wissen, dass das eigene jüdische Volk in Gaskammern vernichtet wird, er selbst aber auf der Straße "Heil Hitler" ruft, spaltete seine Seele. "Wir in der Hitlerjugend wurden zu Hass erzogen. Ich habe mich nicht nur als Hitlerjugend verkleidet, ich wurde es", sagte Perel mahnend. "Ich erzähle nun meine Geschichte, um mit der vollen Wahrheit den Verstand zu erleuchten." Deutsche und Juden blieben noch Generationen lang Auschwitz-Invaliden, sagte Perel.

Gleichzeitig vermittelte der 84-Jährige mit Charme, Humor und mit Ernsthaftigkeit, dass er kritische Jugend schätzt und Toleranz einfordert. "Es gibt kein auserwähltes Volk", das wurde zu seiner Lebensweisheit."

Die  Veranstaltung des Sebastian-Münster-Gymnasiums Ingelheim fand in Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Israelischen Freundeskreis Ingelheim e.V. und der Unterstützung durch den Kreis Mainz-Bingen und den Sebastian-Münster Verein statt.

 

 

Am Tag des offenen Denkmals am Sonntag, den 13. September fand eine Führung über den 

jüdischen Friedhof

in der Hugo-Loersch-Straße in Ingelheim durch Klaus Dürsch statt.


Foto: Michael Schlotterbeck

 

 

Auf dem Friedhof wurden die Ingelheimer Juden von 1836 – 1938 begraben. Die Grabsteine erinnern an die jüdischen Menschen, die während dieser hundert Jahre in Ingelheim gelebt haben. Dürsch erinnerte die ca. 50 Besucherinnen und Besucher insbesondere an den Besuch Ingelheimer jüdischer Bürger, die im November 2008 in Ingelheim zu Besuch waren. Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Schulen führten die Gäste zu den Grabsteinen ihrer Vorfahren. Es wurde deutlich, dass viele Familien ihre Vorfahren bis ins frühe 19. Jahrhundert auf diesem und den anderen Friedhöfen in Ingelheim finden konnten.


In Zusammenarbeit mit dem Weiterbildungszentrum Ingelheim.

 

 

Ein ganz besonderer Kochkurs fand unter dem Titel 

 

Jüdische Spezialitäten

 

statt.

 

Der DIF lud zu diesen festlichen Kochkurs mit Erklärungen zu jüdischen Traditionen und Gebräuchen am 4.9.2009 zum Tag der Europäischen Jüdischen Kultur ein. Dieser Tag stand 2009 unter dem Thema „CELEBRATIONS AND TRADITIONS“.

Anat Kozlov kochte mit 11 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in der Küche der Pestalozzi-Schule.


Die hervorragende Köchin stammt selbst aus Israel und lebt heute in Frankfurt. Sie bereitete mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein komplettes Menu aus Gerichten zu den Festen im jüdischen Monat Tischri (September/Oktober). Dies sind die hohen jüdischen Feiertage Rosch Haschana (Neujahr), der Große Versöhnungstag, das Laubhüttenfest, und das Fest der Torafreude.


Diese Veranstaltung fang in Zusammenarbeit mit dem Weiterbildungszentrum Ingelheim statt.

 

 

 

 

Unter dem Thema

Israel heute

berichtete am Montag, den 25.05.2009 unser Ehrenvorsitzender Hans-Georg Meyer von seinem Besuch in Israel in der Zeit vom 13. bis 18. Mai 2009 Er sprach in Haifa, Jerusalem und Tel Aviv, unter anderem mit Vertretern der Konrad-Adenauer- und Friedrich-Ebert-Stiftung, dem Leiter der Deutschen Vertretung in Ramallah und dem Israelischen Außenministerium.Er gab einen Überblick über die aktuelle Lage in Israel und berichtete von der neuen Regierungsbildung.

 

Pressemitteilung:

 

Mit dieser Regierung ist alles und nichts möglich


 

Der Ehrenvorsitzende des DIF Ingelheim, Hans-Georg Meyer, erläuterte nach einem fünftägigen Arbeitsaufenthalt mit vielen Gesprächen in Israel seine Sicht der Nahost-Problematik, anlässlich einer öffentlichen Veranstaltung des Deutsch-Israelischen Freundeskreis Ingelheim im WBZ. Dabei ist er davon überzeugt, dass die wahre Hoffnung und Hilfe zur Lösung der Probleme in den USA, bei Barak Obama und Hillary Clinton, liegt.

 

Die Sechs-Parteien-Regierung in Israel, mit 30 Ministern (25 % der Parlamentsabgeordneten sind damit Minister), biete keine Garantie, um die vorhandenen aktuellen Probleme, wie die Bewältigung der Wirtschaftskrise und tatsächliche Schritte hin zu einem Friedensprozess zu lösen. Dazu komme die schwierige Situation durch die Berufung eines, so Meyer, rassistischen Parteivorsitzenden zum Außenminister. Dieser hatte in der Vergangenheit mehrfach durch untragbare Vorschläge auf sich und seine rechts-nationalistische Partei Yisrael Beitenu aufmerksam gemacht. So regte er 2002 die Bombardierung des Assuan-Staudamms an, empfahl 2003, statt 350 palästinensische Gefangene freizulassen, diese im „Toten Meer zu ertränken“ und schlug 2006 vor, Parlamentsabgeordnete, die Verbindungen zur Hamas und/oder Hisbollah pflegen, wie „Nazi-Kollaborateure“ hinzurichten. Andererseits habe sich in der Vergangenheit aber auch gezeigt, dass gerade rechte, konservative Regierungschefs Regelungen getroffen haben, die man nicht erwartet hätte. Zumal Bibi Netanyahu als Regierungschef weiß, dass bei einem Anerkenntnis der Zwei-Staaten-Lösung, Zipi Livni von der Kadima-Partei bereit stünde, um in die Koalition einzusteigen, sollten die „kleinen“ Parteien aus der Regierung austreten.

 

Fest stehe auch, dass Barak Obama und seine Außenministerin eine Zwei-Staaten-Lösung anstrebten. Es komme nun darauf an, so Hans-Georg Meyer, ob in den USA auch genug Mut vorhanden ist, Druck auf Israel auszuüben. Dass dies erfolgreich sein könne, belegte er an den Beispielen der amerikanischen Präsidenten Carter, Bush sen. und Reagen. Carter hatte den Friedensvertrag mit Ägypten durchgesetzt, Bush sen. war mit seiner Entscheidung, mehrere Milliarden Dollar für Israel wegen dessen Siedlungspolitik auf Eis zu legen, indirekt am Sturz der Shamir-Regierung beteiligt und Reagan genehmigte, gegen geharnischten Protest aus Israel und jüdischen Verbänden in den USA, den Verkauf von AWACS-Aufklärern an Saudi-Arabien. Daraus sei zu folgern, so der Referent, dass es erfolglos sei, gegen einen populären amerikanischen Präsidenten zu opponieren, der einen Frieden zwischen Arabern und Israelis herbeiführen wolle.

 

Die israelische Regierung unter Bibi Netanyahu habe eigentlich keine Chance, den Friedensprozess zu verlangsamen, wenn die amerikanische Führung dies nicht wolle, so Meyer. „Damit ist klar, die Lösung, wenn man sie denn jetzt wirklich will, liegt in Washington“, so der Ehrenvorsitzende des DIF.

 

 

 

Am Sonntag, den 3. Mai fand im Weiterbildungszentrum Ingelheim ein Konzert unter dem Titel statt: 

Höre, Israel - Dein Land komponiert

Ein musikalisches Portrait des Landes Israel

und eine kleine musikalische Hommage zum 200. Geburtstag von Felix Mendelssohn-Bartholdi.


Die Pianistin Dr. Ofra Yitzhaki spielte an diesem Abend und führte in die Werke ein.


Dr. Ofra Yitzhaki stellte in dieser musikalischen Darbietung Israel aus dem Blickwinkel seiner Komponisten dar. Die Pianistin gab einen Überblick über die klassische israelische Musik von den 30-er Jahren bis heute und eröffnete dadurch eine ungewöhnliche Perspektive auf die Gegensätze innerhalb der israelischen Gesellschaft: die Konflikte zwischen Ost und West, jüdischer Identität und israelischer Sehnsucht nach europäischer Kultur und Ablehnung derselben, die „melting pot“-Ideologie und die Erhaltung der Besonderheiten einzelner Einwanderungsgruppen, der Zwiespalt zwischen persönlicher Verwirklichung und der Verwirklichung der zionistischen Ideale.

 

 

 

Dr. Ofra Yitzhaki wurde von der israelischen Zeitung Ha’aretz als „eine herausragende israelische Künstlerin” beschrieben. Sie promovierte an der Juilliard School in New York mit einer Dissertation über israelische Klaviermusik aus historischer Perspektive. Ihr Programm “Höre, Israel – dein Land komponiert” basiert auf dieser Forschung und ihrer Zusammenarbeit mit vielen israelischen Komponisten. Für das Jahr 2009, das Jubiläumsjahr des großen jüdischen Komponisten Felix Mendelssohn-Bartholdy, wird dieses Programm von einigen der schönsten Klavierstücke Mendelssohns ergänzt.


Ofra Yitzhaki gewann den Solowettbewerb des Van Cliburn Instituts und den „Carnegie Hall Millennium Piano Book“ Wettbewerb. Mit einem Repertoire, das von Bach bis zu den Komponisten ihrer eigenen Generation reicht, trat sie in den letzten Konzert-Saisonen in Kon-zerthallen in New York, Chicago, San Francisco, Berlin, Frankfurt, Weimar, Taipei, Montreal, Bukarest, Zürich, Bern, Tel Aviv und Jerusalem auf.

 

aus: Wochenblatt vom 7. Mai 2009

 

Das Konzert wurde durch den Deutsch-Israelischen Freundeskreis Ingelheim e.V. in Kooperation mit der Musikschule im Weiterbildungszentrum Ingelheim veranstaltet.

 

Heike Sobotta schrieb dazu in der AZ vom 5.5.2009: 

(soh). Der Deutsch-Israelische Freundeskreis (DIF) hatte in Kooperation mit Musikschule und Weiterbildungszentrum zum Konzert geladen. Im großen Saal des WBZ servierte die Pianistin Ofra Yitzhaki ein abwechslungsreiches, kontrastreiches Konzert. Dabei spazierte sie durch die Werke jüdischer Komponisten aus Romantik und Gegenwart. "Sie dürfen ein ganz besonderes Konzert erwarten mit Musik, die hier nicht so bekannt ist und vielleicht doch vertraut klingt", kündete DIF-Vorsitzender Klaus Dürsch, die mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnete Pianistin an - eine Pianistin, die heute in Hamburg lebt und bereits an "vielen berühmten Orten der Welt Konzerte gab", so Dürsch weiter. Ihre Promotion erhielt sie von der Juilliard School New York mit einer Dissertation über israelische Klaviermusik. Das Konzert in Ingelheim stand unter der Überschrift "Höre Israel, dein Land komponiert". Ofra Yitzhaki gestaltete es als Gesprächskonzert, in dem sie die Komponisten vorstellte und in die Werke einführte. Dabei gab sie in der ersten Hälfte einen Überblick über klassische Musik aus Israel zwischen 1933 und Ende des 20. Jahrhunderts. Musik, die von Elementen der chassidischen Welt, von Klezmer, der orientalisch-arabischen und europäischen Kultur inspiriert ist; Musik, die teils sehr expressionistisch angelegt ist und doch nie unmelodiös klingt; Musik, die in Israel in Konzertsälen zuhause ist, bei uns aber nur wenig bekannt ist: von Marc Lavry, Nizan Leiboviich, Paul Ben-Haim und Daniela Cohn-Levitas. Der zweite Teil gehörte in erster Linie dem 1809 geborenen Felix Mendelssohn Bartholdy, der als Sohn jüdischer Eltern zur Welt kam. Mit seinen "Sechs Liedern ohne Worte" und dem "Rondo Capriccioso" entführte die Pianistin in vertraute Klangwelten, in die geschmeidig-weichen Melodien der Romantik von Mendelssohn. Selbst die zupackenden Phrasen gestaltete Ofra Yitzhaki musikalisch einschmeichelnd, schuf so einen Spannungsbogen, der fesselte. Immer wieder umspielte ein feines Lächeln während der einzelnen Stücke ihre Lippen, spiegelte ihre Musizierfreude.

Mit israelischen Liedern, die normalerweise gesungen werden und von der Schönheit des Landes, des Himmels und der Menschen erzählen, schloss die Pianistin den Kreis und kehrte musikalisch in ihr Heimatland zurück. Als Zugabe spielte die Pianistin Bachs "Zion hört die Wächter singen" - traumhaft schön gespielt.

 

 

 

 

Am 24. März 2009 um 19.30 Uhr fand ein Zeitzeugengespräch mit Frau Dr. h. c. Anneliese Knoop-Graf im Ratssaal im Ingelheimer, Rathaus statt.

Dr. h. c. Anneliese Knoop-Graf, geb. am 30. Januar 1921 in Euskirchen, ist die jüngste Schwester von Willi Graf, einem Mitglied der Widerstandsbewegung „Die Weiße Rose“. Sie war nicht direkt in die Widerstandspläne der Gruppe
eingeweiht, denn ihr Bruder wollte sie nicht in Gefahr bringen.
Aber Willi Graf schrieb zahlreiche Briefe an seine Schwester, in denen er ihr seine Gedanken und Vorstellungen
nahe brachte. Am 18. Februar 1943 wurden Willi und seine Schwester Anneliese Graf gemeinsam mit den
Geschwistern Scholl in München verhaftet.


Seit 1987 ist Anneliese Knoop-Graf stellvertretende Vorsitzende der Weiße Rose Stiftung e.V. Am 26. April 2006
wurde ihr die Ehrendoktorwürde der Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften der Universität Karlsruhe verliehen.

 

Dieses Gespräch fand im Rahmen einer Ausstellung zur Widerstandsbewegung der Weißen Rose im Ratssaal zum Projekt "Ingelheim im Nationalsozialismus" statt. 

siehe pdf.

 

Pressebericht in der AZ vom 27.03.2009 zur Ausstellung und zum Zeitzeugengespräch in der Woche vom 20.-28. März 2009: 

"Ich werde immer bei Dir sein"

Von Caroline Jerchel

Anneliese Knoop-Graf erinnert an ihren Bruder und Mitglied der "weißen Rose" Willi Graf

Ihr Vortrag dauerte eine Stunde. 60 Minuten, in denen die zahlreichen Anwesenden im Ratssaal des Ingelheimer Rathauses hoch konzentriert zuhörten. Anneliese Knoop-Graf erinnerte sich an ihren 1943 hingerichteten älteren Bruder Willi Graf: "Ich werde bei Dir sein, auch wenn ich nicht mehr im Leben an Deiner Seite stehen kann", heißt es im Abschiedsbrief des Mitglieds der Widerstandsbewegung "Die weiße Rose". Nur eines der anrührenden Zitate, die Knoop-Graf, die selbst von den Nationalsozialisten für vier Monate inhaftiert wurde, ihrem Publikum vorlas.

Oberbürgermeister Dr. Joachim Gerhard hatte die eineinhalbstündige Veranstaltung eröffnet. Organisiert wurde sie vom Projekt "Ingelheim im Nationalsozialismus" in Kooperation mit der "Weiße Rose Stiftung e.V." und dem "Deutsch-Israelischen Freundeskreis Ingelheim e.V." Gerhard lud zu einem Abend ein, der thematisierte, "wie und warum eine Gruppe junger Menschen den Weg in den Widerstand" gefunden hat.

Die Historikerin Dr. Pia Nordblom von der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz moderierte kompetent den Abend und dankte der Vortragenden dafür, dass sie Sophie Scholl und ihre Mitstreiter "nicht nur als mueseale Persönlichkeiten" darstellte - sondern zum Leben erweckte. Und das, indem sie "bisweilen die Grenzen zur Intimität überschritt".

Rundherum sind derzeit an den Wänden des Ratssaals großformatige Schwarz-Weiß-Fotos und Schautafeln angebracht, die das kurze Leben und die politischen Aktivitäten der Mitglieder der "Weißen Rose" illustrieren. Motive wie lachende Gesichter, ernsthafte Studenten, scheinbar banale Alltagsszenen, zeigen das Leben junger Individuen, die sich als Christen in der Pflicht sahen, Verantwortung zu übernehmen und gegen Hitlers Terrorregime vorzugehen. Die Ausstellung, die noch bis zum Samstag zu besichtigen ist, bot einen geeigneten Rahmen für die intensive Veranstaltung mit der 88-jährigen Anneliese Knoop-Graf. Mit fester Stimme, sachlich und auf hohem Niveau schilderte die ehemalige Internatsleiterin die jäh beendete Vita des Medizinstudenten Willi Graf.

Immer wieder, auch in der sich anschließenden Podiumsdiskussion, stellte sich die Frage, woher Graf und die anderen Mitglieder der "Weißen Rose" den Mut genommen haben, ihr Leben zu riskieren. Warum? Das blieb sein Geheimnis, war seine persönliche Entscheidung: "Ich geh meinen Weg bis zum Ende". Auch der geliebten Schwester vertraute er sich nicht an, das "war nichts für Frauen". Knoop-Graf zeigte durchaus kritisch die Brüche in der Persönlichkeit ihres Bruders auf, zum Beispiel dessen Hadern mit dem autoritätsgläubigen und konfliktscheuen Elternhaus. Sie warnte vor Politikverdrossenheit und einem allzu rigiden Rückzug ins Private und gab zu: "Meine Erinnerung an damals wird konfrontiert mit meinem Wissen von heute" - ein Grund, warum sie es verweigert auf die Frage zu antworten, was gewesen wäre, wenn ihr Bruder sie zur Mitwisserin gemacht hätte.

Trotz aller Tragik gab es auch Momente zum Schmunzeln bei Anneliese Knoop-Grafs Vortrag. Sophie Scholl habe sie verkannt, mit ihr habe sie nichts anfangen können, gab sie zu. Der Grund sei vermutlich auch das "fürchterlich breite Schwäbisch" gewesen, das Scholl sprach. Hans Scholl dagegen verzieh sie den Dialekt, denn "der sah so dermaßen gut aus!" An ihren Bruder und die weiße Rose zu erinnern, ist Anneliese Knoop-Grafs Lebenswerk geworden, den Gedanken von persönlicher Verantwortung an die heutige Generation weiterzutragen, damit "die weiße Rose weiterlebt".

 

Mitgliederversammlung und Neuwahl des Vorstandes

Die Mitgliederversammlung mit Neuwahlen fand am Samstag, den 14. März 2007 um 16.00 Uhr im Landgasthaus Fetzer statt. Aus Anlass des 25 -jährigen Vereinsjubiläums wurden die 10 der 18 Gründungsmitglieder geehrt, die bis heute dem Verein angehören: Petra Harth-Meyer, Jürgen Kauffmann, Karin Kauffmann, Andreas Kauffmann, Cordula Kauffmann, Klaus Kirsten, Ingeborg Kraft, Hans-Ulrich Oelschlägel, Susanne Zöllner-Sowka, sowie der langjährige Vorsitzende und heutige Ehrenvorsitzenden Hans-Georg Meyer. Sie erhielten eine Urkunde für einen Baum, der in Israel im Wald der deutschen Länder für sie gepflanzt wurde.
Der Vorsitzende Klaus Dürsch wies darauf hin, dass ohne die 25-jährige Arbeit die Besuchswoche im letzten Jahr nicht möglich gewesen wäre. Der damals angedachte Jugendaustausch mit Afula hat sich etabliert und findet nach wie vor statt. Hans-Georg Meyer trug eine umfangreiche Dokumentation jüdischen Lebens in Ingelheim zusammen. Es gibt den Synagogenplatz. Die Begegnungen mit Israelis und Juden, die in Ingelheim ihre Heimat hatten, führten während der 25 Jahre zu intensiven Kontakten.  Oberbürgermeister Dr. Joachim Gerhard dankte für die geleistete Arbeit.

Zur Neuwahl des Vorstandes erklärten sich die amtierenden Vorstandsmitglieder und wurden alle wieder gewählt.

Der Ehrenvorsitzende Hans-Georg Meyer gab anschließend eine Einschätzung zur Frage: „Wohin geht Israel?“ und zeigte Bilder von der letzten Israelreise.

 

 

 

Vaterspuren

Lesung mit Sigfrid Gauch logo


Mittwoch, 4. Februar 2009, 19.30 Uhr  

 

Ort: Weiterbildungszentrum, Fridtjof-Nansen-Haus, Wilhelm-Leuschner-Str. 61

 

Dr. Sigfrid Gauch stellte die Neuausgabe seines Buches "Vaterspuren" vor. Gauch arbeitet in seinem vielbeachteten Werk, das 1979 zuerst erschienen ist, die nationalsozialistische Vergangenheit des eigenen Vaters auf. Die nun veröffentlichte Neuausgabe bezieht erst jetzt gefundene persönliche Aufzeichnungen sowie Archivakten mit ein, die das Bild des Vaters, der im Eichmann-Prozess als "Schreibtischmörder" bezeichnet wurde, vervollständigen.

In Zusammenarbeit mit dem Weiterbildungszentrum und dem Projekt "Ingelheim im Nationalsozialismus" der Stadt Ingelheim.

 Hinweise auf den Autor und sein Werk finden Sie unter: 

 www.sigfrid-gauch.de

 

 

Die Ersten Israelis

Literaturabend 

Hans-Georg Meyer las aus dem gleichnamigen Buch von Tom Segev.

Der Abend fand am Donnerstag, 22. Januar 2009 im Weiterbildungszentrum Ingelheim statt. 

Hans-Georg Meyer las aus dem gleichnamigen Buch von Tom Segev. Tom Segev ist Journalist bei der liberalen Tageszeitung Haaretz und Historiker. Er gehört zu den sogenannten "neuen Historikern", die durch intensive Quellenforschung die Zeit der Staatsgründung Israels im Mai 1948 bearbeitete. Tom Segev schildert in seinem Buch: „Die ersten Israelis“ die dramatischen Bedingungen, unter denen Israel geboren wurde und die ersten formativen Jahre.

Tom Segev schrieb im Vorwort der deutschen Ausgabe von 2008, 24 Jahre nach Erscheinen des Buch: 

"Mit den Jahren lernten viele Israelis ihre Geschichte klüger und kritischer zu verinnerlichen. Außerdem sind zusätzliche Dokumente zugänglich geworden, die als Basis für viele Bücher dienten: Dieses Buch war das erste einer Reihe von Büchern, die ich schrieb. Zusammen bilden sie eine kollektive Biographie der Israelis. Es folgten viele weitere Studien anderer Historiker. Dennoch wiederholen sich einige der Mythen und Klischees ständig in den Geschichtsbüchern Israels und bis heute gibt es Menschen, die überrascht sind zu endtecken, dass die Geschichte der Israelis komplexer ist, als sie dachten."

 Hans-Georg Meyer schrieb in einer Rezension zu dem Buch: 

Tom Segev: Die ersten Israelis, die Anfänge des jüdischen Staates, Siedler-Verlag 2008.
Es spricht für sich, dass ein so „altes" Buch eine solche Resonanz in unserem Lande hat. Denn dieses Buch ist in Israel im Jahre 1984, also vor 24 Jahren (!) erschienen und erst jetzt gibt es eine deutsche Übersetzung. Dabei ist es für jeden Nahost-Neugierigen so wichtig, Details wie die von Tom Segev geschilderten zu kennen. Denn der in seinem Buch so oft erfolgte Hinweis auf entstandene falsche Mythen während und nach der Gründung des Staates Israel betrifft nicht nur die Israelis. Noch heute werden weite Teile dieser Mythen von vielen „Nahost-Experten" in unseren Landen - manchmal wider besseres Wissen - weiter verbreitet. Doch auch jenseits dieser Mythen ist die Lektüre der „ersten Israelis" ein Gewinn. Erfährt gerade auch der Nicht-Jude vieles über die bis heute bestehenden Differenzen zwischen Orthodoxen und Säkularen, über Visionen und Realitäten, über die Juden und Araber im vergangenen Jahrhundert. Flucht und Vertreibung, Eingliederung und der tägliche Kampf ums Überleben, ein Kapitel, welches gerade uns Deutschen nicht ganz fremd ist, dies in Segevs Buch nachzulesen ist manchmal ernüchternd, in jedem Falle aber interessant.
Es werden uns Tatsachen und Praktiken bekannt, die oft bestritten und beschönigt worden waren. So auch die Geschichte des arabischen Dorfes Deir Yassin, heute heißt es Givat Shaul und man fährt auf dem Weg nach Jerusalem über die Nationalstraße l dicht daran vorbei. Als der „gebrannte" Ort von den Israelis für jüdische Einwanderer in Beschlag genommen werden sollte, schrieb niemand geringeres als der auch bei uns sehr geschätzte und bekannte jüdische Religionsphilosoph Martin Buber (und drei weitere Wissenschaftler) an Ben Gurion u.a. „In Deir Yassin wurden Hunderte von Männern, Frauen und Kindern getötet. Das Ereignis ist ein schwarzer Fleck auf der Ehre der jüdischen Nation. ... Die Wiederbesiedelung von Deir Yassin binnen eines Jahres nach dem Verbrechen und im Rahmen der normalen Siedlungsaktivitäten würde einer Unterstützung oder zumindest einer Duldung des Massakers gleichkommen..." Von David Ben Gurion kam nie eine Antwort, Deir Yassin wurde das israelische Givat Shaul.
Wer die Bücher von Tom Segev liest, der erfährt viele Details, die sonst nur dem forschenden Historiker durch das Sichten von unzähligen Materialien und Dokumenten vorbehalten bleibt.
Wir haben von ihm vieles erfahren, was uns bis dahin fremd, falsch vermittelt und manchmal falsch abgeschrieben worden war. Er selbst sagt im Vorwort des jetzt in deutsch erschienen Buches „Die ersten Israelis" zu seinen Büchern: „Zusammen bilden sie eine kollektive Biografie der Israelis." Dies ist das Verdienst von Tom Segev, er vermittelt die „Biografie" seines Landes uns Ausländern (obwohl in erster Linie für seine Landsleute geschrieben) in einer beeindruckenden Art und dabei gleichzeitig unterhaltsamen Weise. Wir lernen ohne zu studieren und wir beginnen zu verstehen ohne nur zu verurteilen. So beispielsweise das Problem der
arabischen Flüchtlinge. Wir erfahren von der Vertreibung der arabischen Bevölkerung von Ramiah und Lydda und dass die Mitarbeiter in der Nahost-Abteilung des israelischen Außenministeriums formulierten: „Die anpassungsfähigsten und besten Überlebenden werden in einem Prozess der natürlichen Selektion durchkommen, und die anderen werden zugrunde gehen.
Einige werden sterben, aber die meisten werden zu menschlichen Wracks und zu Ausgestoßenen werden und sich vermutlich den ärmsten Klassen in den arabischen Ländern anschließen." Und wir erfahren, dass David Ben Gurion einen harten Kurs einhält in der Vertreibung der arabischen Bevölkerung und er nichts von der Einlassung seines Direktors der Nahost-Abteilung Eliyahu Sasson hält, der betonte, „dass Israel um seine Integration in die arabische Welt kämpfen müsse".
Israel kämpft seit 60 Jahren ums Überleben, kämpft es auch um die Integration in die arabische Welt?  

Im Buch heißt es an einer Stelle: „Die Zeit arbeitete nicht für Israel". Ob sich dessen auch heute
alle bewusst sind? Das Buch von Tom Segev kann bei der Beantwortung der Frage helfen.
Deshalb sollte es jeder lesen!


 Die Artikelverlinkung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Verlagsgruppe Rhein Main GmbH & Co. KG.