Deutsch-Israelischer Freundeskreis Ingelheim e.V.
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Rundgang

Jüdische Spuren in Ober-Ingelheim

Ein Rundgang durch Ober-Ingelheim am Tag der Europäischen Jüdischen Kultur am 2. September 2007

 zusammengestellt von Klaus Dürsch

Die Materialien dürfen für pädagogische Zwecke verwendet werden. Weitere Informationen finden Sie in der Dokumentation: Hans-Georg Meyer/Gerd Mentgen: Sie sind mitten unter uns. Das Buch kann beim DIF für 20.- Euro erworben werden. 

Der Rundgang führt entlang von Wohn-, Arbeits- und Versammlungsplätzen von Ingelheimer Juden. Die Wegstrecke beträgt etwa 2,5 km.

 

 

Grabstein auf dem Friedhof Rotweinstraße

 

1 Beginnen Sie am Friedhof in der Rotweinstraße. Halten Sie sich links.

Hinter einer immergrünen Hecke sehen Sie die letzten Grabstätten Ingelheimer Juden. Dieser Friedhof wurde 1930 angelegt, als die frühere Begräbnisstätte in der Hugo-Loersch-Straße zu klein geworden war. Folgen Sie dem Gehauweg und gehen Sie zum Platz vor der Burgkirche.

 Zeitungsartikel vom 29. Juli 2010 in der AZ

Sehen Sie auch die Internetseiten  zu den Ingelheimer Friedhöfen von Alemannia Judaica

 

 

 

Foto

Das Denkmal für die Ge- fallenen des 1. Welt- krieges vor der Burgkirche

 

2 Das Denkmal für die Gefallenen aus dem 1. Weltkrieg

Auf dem Denkmal in Form eines ägyptischen Obelisken, der für die Gefallenen im 1. Weltkrieg errichtet wurde, finden Sie die Namen Erwin Bonné und Julius Levy (letzterer ist schwer zu erkennen).

 

Beide waren Söhne jüdischer Familien, die in der Rinderbachstraße lebten. Dort bei Station 10 und 11 werden Sie den Familien wieder begegnen. Folgen Sie nun der Grabengasse und dem Jungfernpfad bis zum Synagogenplatz.

 

 

 


Synagoge

Die Ingelheimer Synagoge 1930  Quelle: Ausschnitt aus Luftbild Nr. 10198 Ober-Ingelheim, Strähle Luftbild

 3 Die Synagoge (Synagogenplatz)

Sie finden den Synagogenplatz an der Ecke Stiegelgasse/Jungfernpfad. 

An diesem Ort, wo sich die jüdische Gemeinde von Ingelheim bis 1938 versammelte, findet jährlich die Gedenkfeier wegen der Reichspogromnacht am 9. November statt. Die Ingelheimer Synagoge wurde am 10. November 1938 zerstört.

 

 

Zur Geschichte der Ingelheimer Synagoge

Synagogen haben eine dreifache Bestimmung: als Haus der Versammlung, Haus des Lernens und Haus des Betens.

Bereits im 18. Jahrhundert existierte in Ober-Ingelheim ein bisher nicht zu lokalisierender Betraum. Der erste Plan zum Bau einer Synagoge ist 1815 nachweisbar.

Am 27. August 1841 wurde im hinteren Teil des Grundstücks Stiegelgasse 25 ein Neubau der Synagoge eingeweiht. Damals war beim Synagogenbau eine Mischung aus orientalisierenden (maurischen) und abendländischen Bauformen modern. Der Ingelheimer Sakralbau brachte die jüdischen und die deutsche Identität der Mitglieder der jüdischen Gemeinde Ingelheims zum Ausdruck: Sie waren deutsche Juden, die – ungeachtet von Diskriminierungen – hier zu Hause waren. Der orientalisierende Stil war einerseits ein Unterscheidungsmerkmal gegenüber den Kirchen und wies andererseits auf den Ursprung der Religion im Nahen Osten hin.

Am 10. November 1938 schändeten und plünderten Ingelheimer und andere die fast 100 Jahre alte Synagoge. Die Ruine wurde niedergelegt und das Eigentum der Jüdischen Gemeinde 1939 verkauft.

 

 

Beschreibung

 

Synagoge

Innenansicht der 1841 gebauten und 1938 zerstörten Ingelheimer Synagoge

Hans-Gerog Meyer erhielt das Foto von Lotte Moses, geb. Löwensberg, USA

Ein Tor führte vom Vorderhaus durch einen kleinen Garten zur Synagoge. Die Westfassade zierte ein treppenförmiger Giebel mit einem Zierband und einem großen Rundfenster. Die Männer betraten den Betsaal durch eine hufeisenförmige Zwillingstür in der Mitte. Die Frauen gingen durch Seiteneingänge rechts und links des Haupteingangs hinein, die zu den Emporen führten. Auch auf der Südseite soll es einen Eingang gegeben haben. Die Ausstattung der Synagoge entsprach dem Kultus des Reformjudentums. Das Pult, von dem aus der Tora gelesen wurde, stand nicht mehr in der Mitte, sondern war in Richtung Toraschrein versetzt. Im schlichten rechteckigen Betsaal reihten sich rechts und links vom Mittelgang zehn bis zwölf Bänke mit jeweils fünf bis sechs Sitzplätzen auf.

Dem Betsaal in Richtung Jerusalem vorgelagert war eine erhöhte, reich dekorierte Nische im orientalisierenden Stil.

Die untere Wandhälfte zierte ein gemalter Ornamentteppich, die obere ein Sternenhimmel. Den Abschluss zum Betsaal rahmten zwei kräftige Säulen ein, auf denen ein Hufeisenbogen ruhte. Der Thoraschrein hatte ebenfalls eine hufeisenförmige Gestalt. Gekuppelte Pfeiler trugen einen ornamentierten Bogen, der die Gesetzestafeln umspannte. Rechts und links standen auf einem Gesims zwei orientalisierende kleine Leuchter. Zwei große Leuchter flankierten den Schrein.

Die Synagoge war mit einer Orgel ausgestattet. Zeugenaussagen platzieren sie an unterschiedliche Stellen.  Laut einer Aussage stand sie rechts vom südlichen Eingang. Einer anderen Aussage zufolge stand sie auf einer Empore über dem westlichen Haupteingang.

Die Kinder saßen rechts und links im Halbrund der Thora-Nische auf halbkreisförmigen Bänken. Vor der Nische stand ein Pult, von dem die Thora den Gemeindemitgliedern vorgelesen wurde.

Die Ingelheimer Synagoge zählte zu den frühen und größeren orientalisierenden Bauten.

 

Literatur:

Meyer/Mentgen 1998, aaO. S. 385ff.

Stefan Fischbach, Ingrid Westerhoff: Synagogen Rheinland-Pfalz - Saarland, Mainz 2005. Herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz mit dem Staatlichen Konservatoramt des Saarlandes und dem Synagogue Memorial Jerusalem.

Siehe auch die Internetseiten von Allemania Judaica.

 

 

 



Das Denkmal auf dem Synagogenplatz

 

Die Stele


Als Zeichen der Erinnerung und Mahnung steht heute die Betonstele neben dem Standort der zerstörten Synagoge. Ihre durchlöcherte Oberfläche symbolisiert die Spuren der Verletzung: ein Sinnbild für ein einstmals existierendes intaktes Haus – die israelitische Gemeinde Ober-Ingelheim. Auch sie wurde Opfer des nationalsozialistischen Rassismus. Freunde, Nachbarn, Bekannte waren zu Feinden geworden, schändeten und zerstörten das jüdische Gotteshaus, das einst an dieser Stelle stand.

Oben sind zwei Davidsterne dargestellt, einer erhaben, einer vertieft. Sie symbolisieren helle und dunkle Stunden in der Geschichte des jüdischen Volkes. In die Basis der Stele eingegossen ruht ein Stein vom Berg Sinai als Zeichen des Respekts und Bezugs zur jüdischen Tradition. Im engen Dialog hierzu verstehen sich die in die Stele eingearbeiteten Natursteine rheinhessischer Herkunft und Bautradition als Sinnbild der Heimat der Ingelheimer Juden.

Im Jahre 1992 setzten Schülerinnen und Schüler des Sebastian-Münster-Gymnasiums in Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Israelischen Freundeskreis dieses Zeichen. Der Synagogenplatz wurde 2008 in Zusammenarbeit zwischen der Stadt Ingelheim und dem Deutsch-Israelischen Freundeskreis renoviert und in Anwesenheit von ehemaligen Ingelheimer jüdischen Bürgern und ihren Kindern und Enkeln am 9. November 2008 der Öffentlichkeit übergeben. Auf einer Gedenktafel wird der Ingelheimer  erinnert, die aufgrund der Rassegesetze der nationalsozialistischen Diktatur ermordet wurden bzw. vermisst werden.

 

 

 

 


Werbeanzeige aus der Ingelheimer Zeitung vom 13.10.1925.

 

4 Das Schuhgeschäft Schäfer & Raphael

Das Haus Stiegelgasse 29 stand etwa dort wo heute der Jungfernpfad einmündet. Familie Schäfer betrieb hier seit mindestens 1865 das Schuhgeschäft Schäfer & Raphael. In der Reichspogromnacht am 9.-10.11.1938 wurde auch dieses Geschäft überfallen und demoliert. Familie Schäfer wohnte zuletzt in der Bingerstraße ( links neben dem Kopierladen) und wurde am 20.9.1942 deportiert. Drei Stolpersteine im Straßenpflaster erinnern daran, dass Betty, Ernst und Renate Schäfer in diesem Haus ihren letzten Wohnsitz in Ingelheim hatten. Meyer S. 258

 

 

 



Der Lehrer und Vorbeter Ludwig Langstädter

  5 Der Lehrer und Vorbeter Ludwig Langstädter

Im Vorderhaus zur Synagoge wohnte Familie Ludwig Langstädter, *1879. Er war Lehrer an der Volksschule Ober-Ingelheim und Vorbeter in der Synagoge.

 

Der Zeitzeuge Karl Zerban erzählte 1991: „Langstädter war mein Klassenlehrer. Er hat über der Synagoge gewohnt und war ein normaler Lehrer. … Der Langstädter war ein sehr ruhiger, in sich gekehrter Mensch. Er hat so schon nicht viel gelacht, aber nachher hatte er ja gar nichts mehr zu lachen. Er wurde schwer misshandelt, auch seelisch. Die mussten mit der Schippe ’rummarschieren und wurden dann später abtransportiert [1942].

Auf dem Marktplatz standen die LKW’s, wo die Leute rauf mussten und weggefahren wurden, es war schrecklich.“

Meyer, S. 373

 

6 Der Hirsche Seppl

Wenn Sie die Stiegelgasse aufwärts in Richtung Markt gehen, so sehen Sie auf der linken Seite ein Haus mit einem originellen spitzbogigem Eck-Eingang mit dem Schriftzug Genossenschaftsbank. In diesem Gebäude betrieb Josef Hirsch einen Frucht- und Futtermittelhandel. Er wurde „der Hirsche Seppl“ genannt. Er betätigte sich als Hilfsschöffe am Amtsgericht Ingelheim und gehörte 10 Jahre dem Gemeinderat für die SPD an. 1939 emigrierte er mit seiner Frau Sally nach Argentinien. Als er seine Ausreisepapiere bei der Stadtverwaltung abholte, sollen ihm die Hände vor Aufregung gezittert haben, als er die fünf Reichsmark für die Gebühr aus seinem Geldbeutel entnahm und sein Gesicht soll tränenüberströmt gewesen sein.

Meyer S. 26

 


Ferdinand Mayer

 

 

7 Branddirektor und Kreisfeuerwehrinspektor Ferdinand Mayer

Ein paar Schritte weiter erreichen Sie den Marktplatz von Ober-Ingelheim. Dort wo heute das Tabakwarengeschäft Bambach ist, lebte vor über 100 Jahren Ferdinand Mayer.

 

Ferdinand Mayer (1837 – 1901) war ein angesehener Bürger. Er war 20 Jahre lang Mitglied im Ober-Ingelheimer Gemeinderat und engagierte sich in vielen Vereinen. Sein Lebensinhalt aber war die Feuerwehr. Ab etwa 1874 wirkte er als Branddirektor von Ober-Ingelheim und ab 1891 zusätzlich als Kreisfeuerwehr-Inspektor bis zu seinem frühen Tod mit 64 Jahren.

 

Der Heinrich Herbert schreibt über ihn im Ingelheimer Lesebuch:

 

„Auf der anderen Seite des Marktplatzes, im heutigen Tabakhaus Bambach-Schwarz, lebte … eine ebenso bekannte wie markante jüdische Persönlichkeit, der Junggeselle [was nicht stimmt, er war mit Barbara/Babette Mayer, geb. Löb verheiratet, Anm. d. Red.] Ferdinand Mayer junior. Er war Bankdirektor, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde, Gemeinderat und Großherzoglicher Kreis-Feuerwehr-Inspektor. Daneben fungierte er als Kommandant der Ortsfeuerwehr und war auch noch im Vereinsleben sehr aktiv……. Sein Haus hatte er im Jahre 1900 von seinem damals verstorbenen Onkel gleichen Namens geerbt.“ Herbert, S. 111, Meyer S. 312f.

Das Feuerwehrgerätehaus in Nieder-Ingelheim wurde am 9. November 1999 nach ihm benannt. Deutsch-Israelische Freundeskreis Ingelheim e.V. gab aus diesem Anlass eine Broschüre unter dem Titel: "Ferdinand Mayer. Sein Leben war die Feuerwehr" heraus. Autor ist Hans-Georg Meyer.

 

 

8 Der "Kuh-Kahn"

Über die Familie im Haus rechts nebenan erzählt Heinrich Herbert:

„Im Nachbarhaus Neuweg Nr. 1, seinem eigenen Anwesen, hatte der Viehhändler Kahn sein Geschäft. Man nannte ihn den „Kuh-Kahn"oder auch den „Linse-Kahn"; auch als „die Lins" war er bekannt. Er soll auf einem Augenlid eine Warze in Form einer Linse gehabt haben. Das Ehepaar Kahn hatte einen Sohn Harry, dessen Name englisch ausgesprochen wurde. Seine Schulkameraden wandelten den Namen geringfügig um; es wurde „Hering" daraus. Schließlich war der Bub überall, des ‚Kuh-Kahne Hering’.“

Herbert S. 110.

 

 


Ein Teil des Hutgeschäfts Kahn am Markt /Eingang zur Rinderbach-

straße (rechter Bildrand).

 

 

9 Der "Kappe-Kahn"

Wo heute das indische Restaurant ist, erwirtschaftete Familie Moritz Kahn seit 1872 ihren Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Hüten und Schirmen (siehe Foto). Moritz Söhne Eugen und Wilhelm führten das Geschäft weiter, bis sie es nach der Reichspogromnacht 1938 verkaufen mussten. Beide nannte man „Kappe-Kahn“. Der 58-jährige Wilhelm Kahn wohnte dort bis 1940. 1942 wurde er von Mainz aus deportiert und gilt als vermisst. Wilhelms Kinder Heinz und Ursula konnten sich in die USA retten. Heinz kam 1945 als Angehöriger der amerikanischen Armee nach Ingelheim, um seine Eltern zu suchen. Diese Suche blieb ergebnislos.

Meyer S. 255

 

 



Walter Bonné (rechts) als Ringrichter bei einer Karnevals- veranstaltung im Narrenstadion in Ober- Ingelheim.

 

10 Familie Bonné

In der Rinderbachstraße 9 gründeten die Brüder Julius, Moritz und Siegmund Bonné 1879 ein Weinhandelsgeschäft. 1901 verkauften sie Weinhefen. Erwin Bonné, der im 1. Weltkrieg fiel, war ein Sohn von Moritz Bonné. Als es nach dem 1. Weltkrieg schwierig wurde, Waren aus dem französisch besetzten Rheinhessen über den Rhein zu transportieren, geriet die Familie in finanzielle Not. Moritz jüngster Sohn Walter emigrierte 1932 nach Spanien, der Vater floh 1937 nach Portugal. Walter kehrte als einer der wenigen Ingelheimer Juden 1945 für kurze Zeit in seine Geburtsstadt zurück. Ein Foto aus dieser Zeit zeigt ihn bei einer Karnevalsveranstaltung. Auch vor dem Krieg gehörte er dem Karnevalsverein an. Er starb 1984 in einem Altersheim in Neustadt an der Weinstraße.

Meyer S. 229, 304.

 

 

  

11 Familie Dr. Karl Levy

In dem Haus mit den grünen Fensterläden in der Rinderbachstrasse 13 lebten Dr. Karl Levy und seine Frau Bertha mit ihren Kindern Jenny und Julius. Sie verloren ihren Sohn im 1. Weltkrieg. (siehe Denkmal für die Gefallenen aus dem 1. Weltkrieg). Levy wohnte und praktizierte in diesem Haus. Aus manch überlieferter Anekdote geht hervor, dass Levy ein beliebter und engagierter Arzt war. 

 

Heinrich Herbert erzählt:

„Um 1920 war meine Mutter wegen einer Erkrankung wochenlang bettlägerig. Da erwischte es auch noch den Vater mit einer Grippe. Aber er konnte sich als Landwirt nicht auch noch ins Bett legen…. Der Doktor gab ihm eine Arznei, die jedoch nicht viel half. Der Vater schleppte sich mit der Grippe hin. Eines Tages merkte der Doktor aber, dass die Krankheit wie weggeblasen war. Und im Beisein der Mutter fragte er, was der Vater denn gegen die Grippe getan habe. ‚E Flasch heiße Rote mit 3 Gläsjer Konjak drin und ins Bett und zugedeckt bis iwwer die Ohre. Am neegschte Daach war ich gesund.’ ‚Sowas tut ein Schwein!’, sagte Dr. Levy langsam und mit Nachdruck. Als der Vater ihm aber das Hoftor öffnete, drehte sich der Doktor noch einmal um, klopfte ihm auf die Schulter und sagte jovial: ‚Karl, hast recht gehatt, Glühwein hilft auch mir am beste, nur brauch ich so keine Kühbütt voll wie du.’“

Meyer S. 309



Todesanzeige des Jahrgangs 1897

 

 

Die Tochter Jenny studierte in Heidelberg Medizin. 1934 verkauften Levys ihr Haus und emigrierten zusammen mit ihrer Tochter nach Haifa. Aus Postkarten von Julius aus dem 1. Weltkrieg geht hervor, wie unterschiedlich die Einstellungen der deutschen Juden waren: Ido Netanjahu schrieb 2005 in dem israelischen Literaturagazin Koteret: „Julius Vater, der Großvater meiner Schwiegermutter, verehrte Herzl und ging nach Basel, um ihn zu sehen. Julius erwähnt sein Judensein nie, obwohl dies Briefe an seine Familie sind! Ein Leser, der seinen Familiennamen und seine Herkunft nicht kennen würde, käme niemals auf die Idee, dass er jüdisch war. Zumindest während des Krieges hielt sich Julius völlig für einen Deutschen, nur Deutschen. Andere Juden, welche in dieser Zeit in die deutsche Armee eintraten, fühlten ähnlich, denn Deutschland war eines der europäischen Länder, das die Tore der Freiheit für die angehörigen des mosaischen Glaubens öffnete.“

Koteret, April 2005, S.32f. Übersetzung: Klaus Dürsch