Deutsch-Israelischer Freundeskreis Ingelheim e.V.
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Friedhof "Im Saal"

Der jüdische Friedhof „Im Saal“


Seit dem 14. Jahrhundert lebten in Ingelheim nachweislich Juden. Es ist bisher nicht bekannt, wo die ersten Friedhöfe lagen.

 

 

 

Der Friedhof "Im Saal"

Die vier erhaltenen Ruhestätten:
• Im Saal
• Hugo-Loersch-Straße
• Rotweinstraße
• Großwinternheim  >> siehe Presseartikel in der AZ vom 18. Oktober 2010

 sie stammen aus der Neuzeit. Das letzte Begräbnis fand 1941 auf dem Friedhof in der Rotweinstraße statt.


Spätere Steine sind Gedenksteine, die im Andenken an ermordete und vermisste Familienangehörige gesetzt wurden.


Die Geschichte der IngelheimerJuden ist dokumentiert in: Hans-Georg Meyer, Gerd Mentgen: Sie sind mitten unter uns,Ingelheim 1998.

 


 

 

Der älteste entzifferbare Grabstein auf dem Friedhof Ingelheim "Im Saal". Er stammt aus dem Jahr 1726. Leider ist der Name nicht mehr lesbar. 

Der jüdische Friedhof „Im Saal“ befindet sich an der westlichen Außenmauer der Ingelheimer Kaiserpfalz (16. Station der Kaiserpfalz-Führung). Es ist die älteste bekannte jüdische Begräbnisstätte in Ingelheim. 25 Grabsteine bzw. Fragmente sind erhalten. Juden aus Nieder- und Ober-Ingelheim wurden hier begraben.

 Der Friedhof wurde wahrscheinlich um 1700, während der kurpfälzischen Herrschaft über Ingelheim, angelegt. 
Aus einem Bericht, über die Bezahlung der Schutzgelder ist zu entnehmen, dass im Jahre 1744 in Ober-Ingelheim Liebmann Beer, Moyses Jacob und Feist Beer wohnten, in Nieder-Ingelheim Elias Simon, Nathan Wilburger und Samuel Simon. Auf dem Friedhof „Im Saal“ liegen wahrscheinlich diese Personen, ihre Familien und Nachfahren.

Die napoleonische Eroberung führte zu einer Stärkung der Rechte der Juden, wenn auch noch nicht zu ihrer Gleichberechtigung. 1808 mussten sich Juden mit einem festen Namen beim Standesamt registrieren lassen. In der Einwohnerliste von Ober-Ingelheim aus dem Jahr 1809 sind die jüdischen und die bürgerlichen Namen aufgeführt (Meyer 1998, S. 597) . Dort lebten 87 Juden in ca. 22 Familien. Die Grabsteine tragen nur die jüdischen Namen. Somit hilft die Einwohnerliste bei der Zuordnung der Grabsteine zu den Personen.


Während der nationalsozialistischen Diktatur wurden die Grabsteine vom Friedhof Im Saal auf den   Friedhof Hugo-Loersch-Straße versetzt. 2001 wurden die Steine auf den Friedhof Im Saal zurückgebracht und anhand von alten Fotografen – so weit möglich – an ihrem Ursprungsort aufgestellt.
Grabsteine, die nicht zugeordnet werden konnten, befinden sich heute am nördlichen Ende des Friedhofs.

Ab 1816 gehörte Ingelheim zur hessischen Provinz Rheinhessen. In Hessen-Darmstadt waren 1816 ca. 3 % der Einwohner Juden. Verglichen mit anderen deutschen Landen war das eine hohe Zahl. Der Anteil jüdischer Bevölkerung wird in Ingelheim ähnlich gewesen sein.

Die jüdischen Grabsteine auf diesem Friedhof sind überwiegend aus grauem, manche aus rotem Sandstein gehauen. Sie tragen außer der Schrift keine Verzierungen.

Viele hebräisch beschrifteten Grabsteine sind folgendermaßen aufgebaut: Zu Beginn steht die Einleitung „Hier ruht/ist geborgen“. Dann kommt ein Lobspruch, der hebräische und manchmal der deutsche Name, der Name des Vaters und bei einer verheirateten Frau der Name des Ehemanns sowie der Herkunfts- oder Wohnort. Es werden viele Abkürzungen verwendet. Hier beispielhaft der Aufbau eines der Grabsteine:

 

 

  Hier der hebräische Text, so weit er zu entziffern ist und die Übersetzung

 

 

 

Der Name Liebmann kommt in dieser Zeit in Ingelheim häufiger vor, so dass eine eindeutige Identifizeriung bisher nicht möglich ist.

(Klaus Dürsch 2008)

siehe auch AZ vom 13. März 2010